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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 240

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Die Laute
Date
1938-09-01
Page
240 (sequence 3)
Language
German
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Mala Laaser lauschten und tasteten mit müden Händen um uns: der stete Tropfenfall in diesem fremden Raum war quälend. Dann gewöhnten sich die Augen an die monddurchbebte Halbnacht. Als wir die umgefallenen Fäßchen endlich entdeckten, waren wir verschmiert und tintig. Kindisch kreischend und entsetzt sogleich unser fröhliches Gekicher dämmend — weil wir Wandervögel waren, Gäste also und nur eben geduldet — sprangen wir auf und hielten flüsternd Rat. Das Ende war, daß wir katzenhaft durchs Fenster huschten, eins das Handtuch als Fahne in der Faust, das andere die Laute als klirrende und brummelige Keule am bandbehängten Schafte schwingend, und querfeldein zum See hinunterliefen. Es girrte, grillte, piepte und quakte aus der Wiese zu uns auf; wir froren sanft unter dem kühlen Mondscheinlachen. Wir waren jung, Kinder fast mit unsern siebzehn Jahren, und das summende Schweigen früher Juninächte barg uns noch keine Süße. Der See lag hinterm Wiesenrand — ein nächtig gedehntes Kältefeld. Keine Lichtbahn auf dem Wasser, und die schweren Wolken, die sonst so oft das Land bereisen, hatten sich in jener Nacht zu Nebel aufgelöst. In den Wäldern rings umher sangen unhörbar die Stimmen des Dickichts. Sumpfgeheimnis gurgelte aus den Kanälen über die flachen Ufer des Sees. Wir warfen schaudernd unsre Jacken ab, schöpften Wasser und wuschen uns rein; dann rieben wir einander mit dem Handtuch prickelnd warm und trocken, und dann die Laute her ... schrumm, zupf zupf, klang-kling. Horcht, Wiese und See! Wir singen euch ein Liedchen .. .Das Schneiderlied „Auf der Kirchturmspitz" ... Nein, das ist zu hell und frech; ein anderes! Fällt dir nichts ein? Und dir? Ein wenig Traurigkeit, ein wenig Grauen; Wanderweh und Trübsinn und Entsagung ...? Ach, das sängen wir uns ja nur selber, und der See ist's doch, der lauschen soll ... Mir fällt nichts ein; ich weiß nicht, was man singen könnte. — Da setzte sich der Bub auf einen Stein am Ufer und nahm die Laute auf die Knie ... Wie warst du bleich im bleichen Strom des Mondlichts! Wirr, feucht und strähnig fiel das Haar dir ins Gesicht, und wie du da gebeugt die Laute rührtest, glichest du ganz dem Nock, dem klagenden, der den Verlust beweinen muß lange vor dem Tage des Verlierens. „Sing!", raunte ich dir zu, gebannt. Die Laute tönte unter deinen Händen... * Die geteerten Kähne haben sie am Strande umgedreht, zum Trocknen für den nächsten Fang. Zwischen Pfählen schweben weitgespannte Netze, oder Leinen wiegen leicht im Wind, und an den Leinen schlenkern — traurig dunstend, mit geschützten Bäuchen — Flundern weiß und Flundern braun; die dörrt man 240

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