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Der Morgen · 1938-09-01 · Heft 6 (September 1938) · p. 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 6 (September 1938)
Article
Israel und die Völker
Date
1938-09-01
Page
234 (sequence 2)
Language
German
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Ernst Simon nis genommen hat. Gerade darum ist jenes Zusammentreffen bedeutsam. R. Jißrael ben Gedalja Lipschitz, der im Laufe seines langen Lebens (1782—1860) vor allem in deutschen Gemeinden, so in Emden und Danzig, als Rabbiner wirkte, gehört zu jenen letzten Ausläufern des alten Rabbinismus auf deutschem Boden, die — wie der „Malbim", wie R. Zwi Mecklenburg, R. Jakob Ettlinger, R. Seligmann Bär Bamberger u.a. — durchaus dem Typus östlicher Talmudgrößen entsprechen, aber doch alle, in verschiedenen Graden, von der sie umgebenden europäischen Kultur erfaßt werden. In dem berühmten, z.T. stark homiletisch gehaltenen Mischnakommentar des R. Israel Lipschitz bx7vr> mxan („Die Pracht Israels") finden sich zur Verdeutlichung nicht selten deutsche Termini in Klammern, besonders philosophisch-ethischer Art wie „Tugenden", „Pflichten" u. a., natürlich in hebräischen Lettern. An einer Stelle des Kommentars wird die Bekanntschaft mit den Ergebnissen europäischer Wissenschaft besonders deutlich. Zur Erklärung des Satzes von R. Jischmael „Geliebt [von Gott] ist der Mensch, denn er ist im Ebenbilde erschaffen" (Awot III, 14) legt der Kommentator ausführlich seinen universalistischen Standpunkt dar und führt als Beispiele für die „Frommen der Völker", die „allen Weltbewohnern so sehr Gutes getan haben", u. a. auch „den Frommen Jenner" (!) an, „der die ,Pockenimpfung' erfand" — das deutsche Wort ist im hebräischen Text unübersetzt geblieben —, „durch die so viele Zehntausende von Menschen gerettet werden von Krankheit, vom Tode und von Verkrüppelung", ferner Drake, „der die ,Kartoffel' nach Europa brachte, die oft den Hunger verhindert", sowie Gutenberg und Reuchlin — „und wie kann es dir in den Kopf steigen, daß alle diese großen Taten nicht bezahlt werden sollten in der kommenden Welt...?!" Damit aber wird nun die Frage nach der Sonderart und Sonderaufgabe Israels dringlich. Und hier beginnt die innere Beziehung von Lipschitz zu Steinheim und sogar zu Zunz, der so merkwürdig altertümliche und moderne Worte formte über den Glauben, jenes „Mächtigere als die Motive zu unserer Kultur...". Israel Lipschitz stellt sich diese Frage mit großem Ernst: warum liebt Gott, der alle Menschen liebt und allen ihre guten Taten lohnt, sein Volk Israel „mit besonderer Liebe"? Er gibt eine doppelte Antwort, zu der Gott ihm „die Augen erhellt hat": „Israel", schreibt er, „hat schon zu einer Zeit einen Vater gehabt, als alle Völker noch Waisen waren"; aber nicht nur Pharao, auch das jüdische Volk kannte Gott nicht, sondern hat ihn durch Zeichen, Wunder und Offenbarung seines Namens erst kennen lernen müssen. Darin aber liegt der Unterschied 234

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