Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Israel und die Völker
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 233 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Emst Simon: Israel und die Völker Salomon Steinheim und Israel Lipschitz Nachdem neuere Forscher die Aufmerksamkeit wieder erneut auf Steinheim, diesen tiefsten und ursprünglichsten Denker unter den jüdischen Theologen des 19. Jahrhunderts, und vor allem auf sein Hauptwerk „Die Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge" gelenkt haben, treten auch die Nebenwerke des eigenartigen Mannes in neue Beleuchtung. Hier seien einige" Stellen mitgeteilt und kurz erläutert, die Steinheims „Lebensbeschreibung eines israelitischen Schulmannes" entstammen: einer Biographie seines verstorbenen Freundes Moses Mordechai Büdingen Dr. phil., des ersten Leiters des jüdischen Lehrerseminars zu Kassel. Das Büchlein, erschienen 1844 in Altona, enthält, neben Tagebuchproben und Briefen Büdingers, wertvolle rein systematische Teile philosophischen und pädagogischen Inhalts; diese letzten machen es zu einem der seltenen originalen Werke jüdischer Pädagogik. Die philosophischen Abschnitte geben in Kürze Steinheims Grundanschauungen wieder, die er nicht müde wurde, mit dem Mute zur Wahrheit zu wiederholen: er beruft sich diesmal einleitend auf den „berühmten Dichter, Herrn Heine", und dessen Unterscheidung zwischen Griechen und Nazarenern, die er einen „tiefen Griff" nennt, aber selbst noch weiter vertieft und als die Differenz zwischen der heidnischen Philosophie und dem Offenbarungsglauben deutet. Im Gegensatz nämlich zu fast der gesamten Tradition der mittelalterlichen und jüdischen Religionsphilosophie faßt Steinheim den Inhalt der Offenbarung nicht als identisch mit dem Inhalt der Vernunfterkenntnisse, da Offenbarung und Vernunft dann nur durch Form und Weg unterschieden wären. Er spricht vielmehr der Offenbarung eine besondere Art der Erfahrung zu, durch die unsere Vernunft ein vorher Unbekanntes und außerhalb der Offenbarung auch nicht Erfahrbares erst erfährt. Diese Gedankengänge berühren sich in höchst merkwürdiger Weise mit beinahe gleichzeitigen Äußerungen eines der späten hebräisch schreibenden Mischnakommentatoren, R. Jißrael Lipschitz. Die Übereinstimmung ist beiden Partnern zweifellos unbewußt geblieben, ebenso wie Hermann Cohen in seiner Kritik an Spinozas ethischer Konzeption die genau gleichsinnige, ja z.T. gleichlautende seines Vorläufers Steinheim nicht zur Kennt- 233