Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 6 (September 1938)
- Article
- Die Wasser Babels
- Date
- 1938-09-01
- Page
- 230 (sequence 6)
- Language
- German
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Herta Kanner umfriedeter Kanäle zu Feldern und Gärten leitete, konnte wahrhaft König sein in diesem Land. Indessen besaßen nur machtvolle Monarchen Kraft und politische Ruhe genug, immer neu und immer wieder dieses gigantisch einförmige Werk zu führen, aus dem hochgelegenen wasserreichen Tigris die Fluten in den Euphrat abzuleiten, mit niemals ruhenden Schöpfrädern aus Kanälen hochgelegene Felder zu bewässern und tiefgelagerte Ebenen durch Stauwerke, Dämme und Schleusen zu sichern, aus Sumpf und Sand den holden Überschwang des Blühens hervorzuzaubern, untrennbar von grün umrandeten Ufern der Wasserwege und Vogelschwärmen im bergenden Schilf. Kein Herrscher der Euphrat-Tigris-Niederung versäumte, sich seiner Wasserbauten zu rühmen, der eindringlichsten Beweise seiner Macht und Größe. Bereits in einer der ersten Königsinschriften auf einem Türsockel ließ Urnina, König von Lagasch um das Jahr 2980 die Anlage mehrerer Kanäle verzeichnen. Sein Enkel Eanatum, mit dem Namen des Wassergottes Ea verbunden, und dessen Enkel Entemena wiederum, vergaßen nicht, sich ähnlicher Werke zu rühmen. Sie erwähnen die Anlage einer Wasserleitung in Nippur und den mächtigen Kanal, der sich vom Tigris dorthin abzweigte. Sehr im Gegensatz zu diesem schlichten Wort steht der selbstbewußte Stolz des „König der vier Weltgegenden", der in Babylon, der Pforte Gottes, mit zweisprachiger Inschrift bewundernswerte Taten einer bewundernden Welt vor Augen führte: „HammurapL, der mächtige König, der König der vier Weltgegenden, der Begründer des Landes ... bin ich ... Den Euphrat grub ich gegen Sippara zu ab und ließ einen Sicherheitswall dafür aufwerfen. „Wasser für immerdar besorgte ich dem Lande Sumer und Akad und grub den Kanal ,Hammurapi ist der Segen der Menschen'." Die Bücher Mose gedenken dieses Amoritenkönigs Am-ra-pheJ oder Hammu-ra-pi (1955—13). Wieder mehr als tausend Jahre nach dem stolzen Hammurapi bewahrt das heilige Buch den Namen eines Königs im Zweistromland, Sanheribs von Assyrien (705—681). „Weil der Tibilti, ein Arm des Choser", berichtet er auf Basreliefs und Bauinschriften, „durch eine gewaltige Wassermenge 'bei seinem Anschwellen die alten Grabhügel der Stadt zerstört ... habe ich den Lauf des Tibilti geändert, die Verwüstung ausgebessert und den Wasserabfluß reguliert. Sein Strombett füllte ich unten mit Rohr, oben mit mächtigen, untereinander mit Asphalt verbundenen Steinblöcken auf, . . . ließ ein Stück Land am Stromufer gewinnen." Das war Sanherib von Assur, dessen Brief König Hiskia von Juda im Tempel ausbreitete, um zu beten: „Herr — höre die Worte Sanheribs, der hergesandt hat, Hohn zu sprechen dem lebendigen Gott..." Jerusalem einzunehmen, gelang dem 230