Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- Da Pontes Abenteuer
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 209 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Da Pontes Abenteuer ten, und während dieser ganzen Zeit blieb sie mit einem Buch oder einer Handarbeit im anstoßenden Zimmer, um auf das erste Klingelzeichen zu mir zu kommen. Oft setzte sie sich auch zu mir, ohne sich zu rühren, ohne auch nur zu reden oder mit der Wimper zu zucken, sah mich dabei scharf an, lächelte mir zärtlich zu, seufzte und schien weinen -zu wollen; kurz, dies Mädchen war für mich die Kalliope der drei Opern... Am ersten Tage, unter Tokaier, Sevilla-Tabak, Kaffee, der Klingel und der jungen Muse habe ich die beiden ersten Szenen des Don Juan und mehrere der anderen beiden Opern geschrieben..." Da Ponte war, 1749 geboren, vierzehn Jahre jünger als Casanova, und wenn er in seinen Memoiren von dem Venezianer auch nur als von „einem gewissen Casanova" spricht, so hatte er doch im Schatten dieses Mannes seine venezianische Jugend verbracht und sich unter dessen Einfluß vom Priester (eigentlich hieß er Emanuele Conigliano und war mit vierzehn Jahren vom Bischof von Cedena, dessen Namen er annahm, getauft worden) in einen Rokokokavalier verwandelt. Von Casanova, der damals Bibliothekar des Herzogs von Waldstein zu Dux war, stammten auch drei Ratschläge an den Schützling: nach London statt nach Paris zu gehen, das italienische Cafehaus in London zu meiden und keine Wechsel zu unterschreiben. Nach London ging Da Ponte nur, weil der Ausbruch der französischen Revolution den empfehlenden Brief Kaiser Josephs an seine Schwester nutzlos gemacht hatte. Die Nichtbefolgung der beiden anderen Warnungen vertrieb ihn nach Amerika. Neben Don Juan und Casanova nimmt sich Da Pontes Leporello-Liste klein aus. Zwar schrieb er seine Memoiren für den puritanischen Geschmack eines nordamerikanischen Publikums und „riß", wie er sich ausdrückte, auch „Seiten aus". Aber er verhehlt auch nicht, daß er schon auf dem Priesterseminar mit einem anderen Weltkind in Versen um die Gunst einer Schönen warb und daß er sich keines halben Jahres entsinnen könnte, ohne verliebt gewesen zu sein. Als Liebhaber ist er mehr von der Art Casanovas als Don Juans; er -ist kein Verderber der Das Jtllilieft enthielt u. a. Evian oder der Wille zum Leben / MARTIN BUBER. Die Forderung des Geistes und die geschichtliche Wirklichkeit / URi ROSENHEIM. Zwei Gedichte / HERBERT FRIEDEN¬ THAL, Salomon Maimon (Novelle / HANS BACH, Moritz Heimanns Leben und Werk / SUSE MICHAEL, Umgang mit Kindern / LEO HIRSCH, Die Kehrseite der Konjunktur. Im Septemberheft schreiben u. a. HERTA KANNER. Die Wasser Babel« / ERNST SIMON, Israel und die Völker / BERTHOLD WEINBERG. Brief an Martin Buber. 209