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Der Morgen · 1938-08-01 · Heft 5 (August 1938) · p. 210

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 5 (August 1938)
Article
Da Pontes Abenteuer
Date
1938-08-01
Page
210 (sequence 3)
Language
German
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Lutz Weltmann: Da Pontes Abenteuer Frauen, die er umarmt, sondern sie sind gleichsam „Schwestern", die er nacheinander beglückt, und er denkt dankbar an die Damen zurück, deren Gunst er genoß. Eine Görzer Mirandolina, die von Goldoni geschaffen sein könnte, hätte er gern geheiratet, und einer venetianischen Kurtisane war er so hörig, daß er zwei Heiraten mit Mädchen ausschlug, die ihm sogar gefielen. Die eine, die ihn in einer Gondel mit ihrem Liebhaber verwechselt hatte, trug ihm ihre Hand selber an, — ein Mädchen aus edlem Hause, das einer erzwungenen Heirat mit einem alten Freier entflohen war. Für die andere hatte deren Vater, ein würdiger, wohlhabender Greis aus Livorno, Da Ponte als Gemahl ausgesucht, nachdem er über dessen Leben Erkundigungen eingezogen; wenn Da Ponte erwähnt, daß der Alte auch um die vertrautesten Einzelheiten seines Lebens wußte, scheint er die in den Memoiren verhohlene jüdische Abstammung zu meinen. Auch seine Frau Nancy, eine englische Jüdin, wurde ihm durch deren Vater zugeführt. Da Ponte hatte den Freiwerber für einen italienischen Landsmann gemacht; es war wohl der Altersunterschied um zwei Jahrzehnte, weswegen er nicht selbst auf den Plan trat. Aber Nancys Vater hielt den jungen Mann für einen Mitgiftjäger, und in der Wut über diese Entdeckung bot er die Tochter dem Freunde Da Ponte selber an. Es wurde eine glückliche Ehe, wenn Da Ponte auch nur sehr allmählich bürgerlich wurde, und es war gewiß gut, daß sein Schwiegervater nicht wußte, daß auch seine Taschen wie gewöhnlich leer waren, als er ihm seine Tochter zur Frau gab. Mit der ehelichen Treue nahm Da Ponte es dann genau; nach seinen Memoiren verhilft er nur, ein zweiter Cyrano, durch seine Verse jemandem zur Frau. Auch in seiner Frühzeit gehört die Achtung vor fremden Ehen zu seinen Grundsätzen, von denen er nur einmal zu seinem Leidwesen abweicht, um einer vernachlässigten, von ihrem Gatten betrogenen Frau willen, der dieser sogar nach dem Leben trachtet. Ein anderer Grundsatz ließ ihn Liebschaften mit Theaterdamen meiden,' wozu er wohl erst nach trüben Erfahrungen gekommen sein wird. Überhaupt trägt der Liebhaber Da Ponte neben Don Juan und Casanova auch die besondere Note des Schlemihltums. Von seinem übrigen Leben gibt er es auch zu, daß es sein Schicksal war, immer wieder betrogen zu werden. Und doch fühlt er sich stets irgendwie als Kind der Vorsehung. Eine unter Umständen, die ein Wiederfinden so gut wie unmöglich machten, verlorene Börse wird ihm im Augenblick größter Not wieder zugestellt, und nicht ohne Genugtuung verzeichnet er, daß ein Amerikaner, der ihn betrog, später vom Blitz erschlagen worden sei. 210

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