Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 5 (August 1938)
- Article
- Da Pontes Abenteuer
- Date
- 1938-08-01
- Page
- 208 (sequence 1)
- Language
- German
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Lutz Weltmann: Da Pontes Abenteuer Zum lOO.Todestag am 17. August Der Name Lorenzo da Pontes wäre längst verschollen, wäre er nicht als Librettist eines Unsterblichen berühmt geworden. Und von den drei Opern, deren Textbücher er schrieb — „Figaros Hochzeit", „Don Giovanni" und „Cosi fan tutte' — hat die mittlere einer mythischen Gestalt der Weltliteratur die klassische Form gegeben. Es ist in erster Reihe der genialen Musik zuzuschreiben, daß die Don Juan-Gestalt durch dieses Libretto und nicht durch die literarisch weit höher stehenden Dramen Tirso de Molinas und Molieres fortlebt, aber schon Da Ponte hat ihr etwas infernalisch Hintergründiges gegeben. Wir wissen um seine Lektüre während der Abfassung dieses Werkes; noch als Achtzigjähriger erzählte er davon, als er in New York als Sprachlehrer und Vorsteher der italienischen Kolonie seine Memoiren abfaßte. Es war Dantes „Inferno". Und das kam so. Nach schweren Anfängen in Wien, wo er auf die Nachfolge Metastasios als Theaterdichter aspirierte, hatte er einmal drei Operntexte zugleich zu schreiben, einen für Mozart und zwei für dessen Kollegen und Konkurrenten Salieri und Martini. Da Pontes Gönner Kaiser Joseph II. bezweifelte, ob der „poeta cesareo" das können würde, und Da Ponte erwiderte, er werde Dante als Anregung für seine Arbeit am Don Juan nehmen. Ein zweites Erlebnis, von dem Da Ponte aus der Entstehungszeit des Librettos erzähl^ führte unmittelbarer in die Lebenssphäre seines Don Juan hinein: „Ein bildhübsches Frauenzimmerchen von 16 Jahren .(eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, sie nur wie eine Tochter zu lieben, aber...) lebte bei mir mit ihrer Mutter, meiner Haushälterin, und kam auf ein Klingelzeichen in mein Zimmer. Und ich läutete, weiß Gott, recht oft, besonders, wenn mir schien, daß mir der poetische Schwung ausging. Sie brachte mir dann eine Mehlspeise oder eine Tasse Kaffee oder auch ihr schönes, immer heiteres, lachendes Gesicht, das wirklich dazu angetan war, den poetischen Schwung und die geistreichen Ideen zu fördern. Mit kurzen Unterbrechungen fuhr ich so zwei Monate lang fort, 10—12 Stunden täglich zu arbei- 208