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Der Morgen · 1938-08-01 · Heft 5 (August 1938) · p. 197

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 5 (August 1938)
Article
Umgang mit Andern
Date
1938-08-01
Page
197 (sequence 4)
Language
German
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Umgang mit Andern Zusammenhang mitgegeben, und es ist gleichviel, woran der Mensch den Anteil des Göttlichen, den wegweisenden Sinn des Richtigen erfährt und aufnimmt. Das Reich der Gesteine kennt das Wunder der Kristallisation. Das Volk der Chinesen kennt das Gleichnis vom Regenmacher. Kochsalz — wir essen es täglich, wir sehen es auf beinernem Löffel, wir halten es zwischen den Fingern —, wie ist es entstanden? In glühend aufsteigendem Erdstrom, verbunden mit der Kraft zweier gleichwertiger Elemente, hat das Kochsalz sich aus Natrium und Chlor zusammengefunden oder in der stillen Sole einer bergigen Mulde, im verdunstenden Aufsteigen des Kreislaufs aller Gewässer sich, unbeeinflußbar, im reinen Viereck räumlich zu Würfeln geordnet. Aus feurig Flüssigem oder langsam Verdunstendem wachsen und vergehen die wechselnden Einheiten irdischer Elemente, und der Mensch versucht nun, aus schöpferischer Erinnerung, aus mitgegebenem Tatendrang, nachahmend und prüfend die Welt zu erkennen. Wie mit dem ihm einverleibten Geiste nochmals gestaltet, wie aus seinem Leibe geboren schafft er Erschaffenes nach und schmilzt im Laboratorium aus den Grundstoffen der Erde im siedenden Schmelzfluß unwiderruflich geprägte Kristalle, läßt in abgedichteten Räumen aus flüssiger Mutterlauge erdhafte Gesteine in weiten Schalen sich bilden. Da mag es ihm begegnen, daß bei aller Vorsicht, unter Beobachtung aller Gesetze auch nicht ein Kristall entsteht. Was ist geschehen? Nahm er nicht wie immer zugemessene Mengen Wassers, ausgewogene Teile von Grundstoff und Gegenpart? Ist die Wärme des Raums denn verändert, die Strahlung des Lichtes abgewandelt? War doch die Zeit eingehalten, nach der sonst, erprobt und wie zu Recht, Kristalle sich gebildet aus salziger Lösung! Nun entscheidet auch hier die Geduld und Eingebung des Herzens. Rührt nämlich der Forschende aus Verzweiflung oder im Zorn, zögernd oder unwirsch am aufgestellten Gefäße, so verwirren sich zusammenfahrend die aufwachsenden Kristalle ineinander, und statt der reinen Form abgegrenzter, ganz vollendeter Bildung, statt einer Pracht durchsichtig quadratischer Würfel von Kochsalz liegen, wie "hingestürzt, verworrene „Skelette" im Grunde der Schale. Der aus unbekanntem Grunde verzögerte Werdegang der Kristalle ist für diesmal unterbrochen und zerstört durch menschliche Ungeduld. Wie man ein Liebender sein kann von Menschen und Tieren, von Bildern und Tönen, so kann man auch ein Liebender sein von Gesteinen. Hat man nämlich nachprüfend in der Anordnung seines Versuchs keine „Fehlerquelle" gefunden, so kommt einem vielleicht aus Gottes Liebe ein hilfreicher Gedanke, und man 197

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