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Der Morgen · 1938-08-01 · Heft 5 (August 1938) · p. 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 5 (August 1938)
Article
Umgang mit Andern
Date
1938-08-01
Page
196 (sequence 3)
Language
German
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Suse Michael: nis diente: Gegensatz, Verneinung, Mißverständnis, Enttäuschung, sie alle können zu Wegweisern werden. Liebe wird, verkannt, als Besitz begriffen, den man besserwissend nach eigenem Bilde umgestalten möchte, und ist doch der Schlüssel zur Eröffnung des einmalig eingeborenen und immer wieder spürbaren Sinns in einem von Gott geschaffenen Wesen. Wer hat sich noch nicht enttäuscht gefühlt, wenn ein naher oder geliebter Mensch sich anders verhielt, als unser Herz es erwartete, und hat dann dagestanden wie verlassen von der Wärme des Lebens und dem Duft des Lebendigen, weil es nicht begreifen konnte, daß auch der geliebteste Mensch ein anderes Wesen ist, aus eigenen Kräften, nach eigenen Gesetzen handelnd? Wem schien da nicht die Welt aus ihrer Ganzheit zu fallen und jener dunkle Strom des Lebens, in dessen Rauschen wir leben, zu verstummen? Komm her und sieh: es gibt wahre Einsicht, es gibt eine Heilung des Herzens. Nicht auf den Besitz des andern, sondern auf die Erkenntnis des andern, auf die Freiheit des geliebten Wesens kommt es an. Setz dich hin, frag dich zuerst, was du erwartet hast aus deinen Wünschen, aus deinen Nöten, aus der Notdurft deines Lebens. Und wenn du das weißt, liebend erfühlt aus der Mitte deines Lebens, so heb auch die Augen auf und sieh den Geliebten an, sieh ihn an mit den Augen des Wächters auf einem Turm, mit den Augen des Lotsen auf einer Brücke, mit den Augen eines, der seine Seele, das Zeichen Gottes in ihm, in seiner Mitte gewiß weiß: achtsam, frei, offen dem zu Schauenden. Und du wirst erfahren aus dem Wissen deines Herzens, durch die Frage deines liebenden Mundes, durch die Geduld deiner Sanftmut, warum er so handeln mußte wie er es tat. Sei du der Sehende dann, der ihm hilfreich wird zur Erkenntnis seines Seins; und es wird sich ereignen, daß das Falsche auf menschliche Weise richtig wird. Wie kann das geschehen? Wenn du nur wahrhaft siehst, wird von überall her Erkenntnis dir aufsteigen. In dieser Welt ist dem Suchenden Gottes hilfreiche Hand an allen Stellen spürbar; nur vermeintlich stehen die Sinnbilder der Natur denen des menschlichen Lebens getrennt, fremd und unvereinbar gegenüber. Wie man in einer großen Töpferwerkstatt, in der viele es in ihrem Handwerk bis zur Meisterschaft gebracht haben, die einzelnen Geräte unverkennbar an der letzten Eigenart ihrer Form, aus der bildnerischen Kraft der wirkenden Hände erkennen kann, so darf man als Mensch aus dem einheitlichen Schöpfungsakt unserer Welt vielleicht auf die Handlinien Gottes schließen. Wenn nämlich Gott die Welt mit all ihren Kreaturen im siebenfachen Kreis des Schöjifungsaktes erschuf, so ist durch diesen gemeinsamen Ursprung allen Teilen dieses Werkes ein innerster 196

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