Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1938)
- Article
- Moritz Heimanns Leben und Werk
- Date
- 1938-07-01
- Page
- 155 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Heimanns Leben und Werk vor.. unmittelbar aus dem Anhauch des Weltgeistes .. — aber sie müssen bleiben, was sie sind, nämlich ganz und gar subjektiv. Denn wenn sie objektiv werden, wenn sie irgendeine Gültigkeit und Macht in der realen Welt usurpieren wollen, — dann, in diesem Augenblick, drängt sich ein für alle Mal der Tropfen Betrug hinein". Die Bereitschaft, jenes Beseligende anzunehmen, sich davon durchdringen und es durch sich hindurch und aus sich in die Welt strömen zu lassen, das würde die Kraft und den Mut erfordert haben, die Heimann sich nicht zutraute. Doch weil es ihm an dem Mut gebrach, die Stimme seiner eigensten Wahrheit zu sein, verdächtigte er die Gültigkeit des Absoluten überhaupt, das aus menschlichem Munde spricht. Etwas von dieser Schuld des Sichverstockens fühlt Heimann selbst; der Schluß jenes Gespräches lautet: „Mehr Wahrheit, als einer in die Welt hineinträgt, wird er auch nicht in ihr finden, nicht mehr und nicht weniger." Wer sich nun aber nicht hinnimmt, wie er in seinem Tiefsten ist, sei es zurückschaudernd vor der Eitelkeit, die ihm aus dem Bewußtsein der Auszeichnung erwächst, sei es, weil er die Maßstäbe der Außenwelt, des Nicht-Ich, gegen sich wendet, der wird von seinem Wege abgedrängt und sagt das Uneigentliche statt des Eignen. So spricht Heimann, — derselbe Mensch, der nur die Hand zu öffnen brauchte, um die Bewegung der Sterne darauf zu fühlen! — von der ,unerfaßbaren Einfachheit/ der höheren, der göttlichen Wahrheit; er wähnt, es bedürfe „der Umwege des Geistes, der künstlichen Stützen, der verzwängten Sprache des Zeitgeschmacks, um ihrer habhaft zu werden", und ersetzt sein eignes Schöpfertum, wie er es von einem "Freunde gesagt hat, durch ein , ewiges Scheinwachstum' des Denkens. Seine Gedichte haben etwas Gequältes und darum Quälendes, — nicht der quellende Strom, sondern ein drückender Alp spricht sich darin aus. Die Einfälle bleiben im Keimhaften, im Aphorismus stecken; weil ihnen die Zeit des Ausreifens nicht gegönnt ist, wachsen sie nicht zum geformten Werk. Etwas Stockendes, immer aufs neue Ansetzendes liegt unter dem glatten Fluß der Sätze. Die Figuren der Dramen sind zusammengesetzt aus Einzelzügen, haben kein Zentrum, nur die äußere Kontur und leben darum nicht von innen heraus. Schon in der Wahl der Figuren läßt Heimann sich abdrängen von sich selbst. Das reifste seiner Dramen — wenn man die Gliederung eines Stoffes in fünf Akte bereits ein Drama nennen darf — ist „Das Weib des Akiba". Die Konzeption dieses Stoffes reicht bis in die Jugendzeit des Dichters zurück. Der eigentliche Held war Rabbi Akiba, der Moritz Heimanns innigstes Wunschbild blieb: der Weise, der Heilige, der Mann von der Scholle, der sich in der Stadt durchsetzt, als Lehrer Jünger gewinnt, die *55