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Der Morgen · 1938-07-01 · Heft 4 (Juli 1938) · p. 154

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1938)
Article
Moritz Heimanns Leben und Werk
Date
1938-07-01
Page
154 (sequence 3)
Language
German
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Hans Bach und an die Welt zurück; immer schauderte er vor dem „Abgrund., der zwischen allem Ursprünglichen und dem bloßen Verstehen dieses Ursprünglichen klafft". Die Unruhe, die Unzufriedenheit, das Schwanken zwischen der eignen Berufung und dem sehnsuchtsvollen Verstehen fremder Produktivität versuchte er geradezu zum System zu erheben, ja in Gottes Absicht zu verlegen. „Ich will nicht mehr mit mir vorhaben, als der Gott mit mir vorhat", so suchte er sich einmal über den Ungehorsam an die innere Stimme hinwegzutrösten, suchte er noch das Scheitern im produktiven Bereich als notwendig zu erklären. Es gab vieles, was nur er sah, zum erstenmal in aller unentdeckten Schönheit: „Ein Blick von der Marschallbrücke den Schiffbauerdamm hinauf, eine Brandmauer in der Nacht, ein Stück violettentzündeten Himmels mit unvermuteten, hastigen Wolkenflottillen, von den emporschweigenden Häuserfronten ausgeschnitten, die Gaslaternenreihen in einer Straße des Ostens- und, das Zauberhafteste von allem, das Weichbild der Stadt, wo sie so grundlos zage aufhört, grundlos verwegen anfängt...." Den Gaslaternen hat er, in Prosa, mitten in einem Artikel, ein kleines Gedichtbild abgesehen, so melancholisch und weh, wie Licht nur in der Großstadt sein kann: „Und in fernen Straßen brennen die Gaslaternen, öde, zwecklos, eine jede in ihrer eignen dunstigen Lichthülle unsäglich einsam". Doch wenn er wissentlich sein Eignes aussprach, etwa indem er die zurechtrückende, tröstende Kraft eines rechtwinkligen, im richtigen Winkel gebauten Zimmers entdeckte, so schämte er sich dessen: „Da hast du was zum Lachen, ein Rechteck scheint mir ein großes Ding." So kommt das eigentlich Schöpferische in ihm nur beiläufig, unwillkürlich, sozusagen hinter seinem Rücken ans Licht. Er weiß um die Kraft des Durchbruchs, um die Beseligung durch das Absolute und legt in einer Legende einem Buddha sein Wissen darum in den Mund: vielerlei Leben geatmet zu haben, „als Wurm, als Tor, als Narr, als Sänger, als Räuber, als Sämann, als Schwermütiger, als Flüchtling, dem Korne gleich, das hintereinander geschnitten wird und wieder wächst, immer dasselbe Korn". Dieser sein Buddha gewinnt das göttliche Auge, „das Auge, vor dem kein Ding groß ist und kein Ding klein ist", und vermag zu fühlen, „wie die um ihre Achsen schwingenden Sternenhimmel in seiner offenen Hand so kreisten, daß diese Hand, wenn er sie schlösse, die Himmel zerdrücken würde". Doch aus Angst zu erdrücken, zu beschädigen, zu verletzen, was an Gaben ihm selbst geschenkt ist, nimmt Moritz Heimann sie nicht an, weist sie wie eine Versuchung ab: „Das Beseligende solcher Zustände", läßt er in einem 'Gespräch über historische Glaubwürdigkeit* eine der Personen sagen, „ist mir ganz begreiflich. Sie schmeicheln ein Ausgezeichnetsein, eine Aristokratie 154

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