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Der Morgen · 1938-07-01 · Heft 4 (Juli 1938) · p. 139

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 4 (Juli 1938)
Article
Die Forderung des Geistes und die geschichtliche Wirklichkeit
Date
1938-07-01
Page
139 (sequence 4)
Language
German
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Die Forderung des Geistes und die geschichtliche Wirklichkeit in Syrakus das Unternehmen der Stiftung eines Reiches im platonischen Geiste gescheitert war, den Brief an die sizilianischen Freunde, in dem er über den Willen seines Lebens zur Änderung der staatlichen Wirklichkeit (worin für ihn die gesellschaftliche miteingeschlossen war), über seine Versuche zur Verwirklichung dieses Willens und über die Niederlagen, die er bei diesen Versuchen erlitt, Rechenschaft ablegt. Darin berichtet er, er habe, als er merkte, daß alle Staaten schlecht regiert werden, verkündigt: Von den Übeln werden die Geschlechter der Menschen nicht loskommen, bis entweder die rechten und wahren Philosophen zur staatlichen Herrschaft gelangen oder die Gewalthaber in den Staaten wirklich philosophisch leben. Den Spruch, den Piaton anführt, hat er etwa zwanzig Jahre vorher in etwas anderer Sprache in der Herzmitte seines Buches über den Staat als den Hauptsatz niedergeschrieben. Daß er an dieser zentralen Stelle steht, bedeutet, daß es letztlich nicht auf die und die Einrichtungen — die Einrichtungen, von denen das Buch handelt —, sondern auf solche und solche Menschen ankommt und zunächst auf die führenden Menschen. Dazu aber, daß die rechten Menschen herrschen, kann man nach Piaton auf zwei Wegen gelangen: entweder muß der Mann des Geistes zur Macht kommen oder er muß die Machthaber zum Leben des Geistes erziehen. Piaton glaubt an den Geist und glaubt an die Macht, er glaubt an den Beruf des Geistes zur Macht. Die Macht, die er sieht, ist entartet, aber der Geist kann sie regenerieren. Piatons Lehrer Sokrates hat der athenische Staat — das war des jungen Piaton entscheidend schwere Erfahrung der „Geschichte" — verurteilt und hingerichtet, weil er nicht den Machthabern, sondern der Stimme gehorchte. Und doch war er, der allein zum echten Leben für die Gemeinschaft zu erziehen verstand, unter allen, die sich mit dem Staat abgaben, wie der Seher Teiresias im Hades, der einzige geistig Lebendige unter flatternden Schatten. Piaton weiß sich als seinen Erben und Beauftragten. Er weiß sich berufen, das heilige Gesetz zu erneuern und den gerechten Staat einzurichten. Er weiß, daß ihm deshalb die Macht zusteht. Aber der Geist ist nur bereit, die Macht aus göttlichen und menschlichen Händen zu empfangen, nicht, sie sich zu nehmen. In der Politeia wird Sokrates gefragt: wenn der Mann des Geistes so sei, wie er ihn beschreibe, werde er sich wohl mit Staatsgeschäften gar nicht abgeben wollen. Darauf antwortet Sokrates, in seinem eigenen Staate würde der Mann des Geistes sich gewiß damit abgeben, aber dieser Staat, den er meint und der zu ihm paßt, würde wohl ein anderer als sein Vaterland sein müssen, „wenn nicht etwa eine göttliche Fügung geschieht". Aber vorher schon war von dem Menschen die Rede, der vom Geist gesegnet doch einer tollen Menge gegenübersteht, ohne Bundesgenossen, um der Gerechtig- 139

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