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Der Morgen · 1938-06-01 · Heft 3 (Juni 1938) · p. 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1938)
Article
Laut und Wort
Date
1938-06-01
Page
117 (sequence 10)
Language
German
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Laut und Wort zwischen Raum- und Substanzlauten erweisen die Vokale sich als verwandt mit den Bewegungslauten, die ebenfalls dazwischen eingebettet liegen und in der Tat als Abkömmlinge der Vokale zu betrachten sind. Wie wir im Lichtspektrum nur sieben Grundfarben aus zahllosen Farbschattierungen auswählen, so im Lautspektrum auch nur fünf Grundvokale aus unzählbar vielen Vokalschattierungen, nämlich U, O, A, E, I. Von Höhe oder Tiefe, Länge oder Kürze und dergleichen sei hier nicht die Rede, obwohl auch sie für die Bedeutung wichtig sind. Der Ton nämlich ist in der Sprache ein besonderer Wert; er gehört nicht mehr der Lautsprache als solcher an, ist vielmehr schon ein musikalisches Element. Das Studium des Tons ist deshalb in die Musikforschung zu verweisen. Hier betrachten wir die Vokale, bewußt vom Ton absehend, nur in einer normalen Lage. Ihre Bedeutung finden wir dadurch, daß wir unsere Sprachorgane beim Hervorbringen der Grundselbstlaute beobachten: U sprechen wir mit fast geschlossenem Mund; die Kiefern ruhen völlig. Und umgekehrt, wenn wir wie starr sind, niedergedrückt, durchaus passiv, entschlüpft uns unwillkürlich leicht ein U (uh!), etwa wenn wir frieren oder verzweifelt sind. Hier sind die Venen am meisten entspannt, und der Ausruf dient dazu, den Verlust an Wärme auszugleichen. Somit ist das U der Lautwert einer durchaus passiven Verhaltungsweise, es bedeutet also eine Gefühlspasstvität. — Ein wenig öffnet der Mund sich beim O; wir sind immer noch verkrampft, aber nicht mehr so sehr, die körperliche Starre hat sich etwas entspannt. Noch immer sind wir aber im Bereich des Passiven. — Sagen wir A, so ist der Mund am weitesten geöffnet, nun ist die Verkrampfung gelöst, wir befinden uns in dauerndem Ruhezustand, wir haben das Gleichgewicht von Körper und Seele erreicht. Für den Zustand der Entspannung, der Ruhe und des Gleichgewichts ist deshalb das A kennzeichnend. — Beim E hat sich der Mund etwas geschlossen, dafür schiebt der Unterkiefer sich vor, ein Reiz, der Tätigkeit auslöst. Jetzt sind wir also im Bereich des Aktiven. — Noch stärker gilt dies für das I. Hier ist — wie beim U — der Mund beinahe geschlossen, hingegen 'der Kiefer noch weiter als beim E vorgeschoben: es ist die stärkste Betätigung des Kiefers als Ausdruck höchster seelischer Aktivität. — Wir haben somit fünf Vokalstandorte. A ist die Gleichgewichtslage, von wo das Pendel nach zwei Seiten ausschlägt, in den Bereich der Passivität mit U als tiefstem Punkt und in das der Aktivität, deren höchster Punkt I ist. Außer diesem statischen Vokalpendel gibt es auch ein dynamisches. Öfter nämlich als in ruhendem Zustand befinden Vokale sich in Bewegung, als Diphthonge. So entsprechen sie 117

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