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Der Morgen · 1938-06-01 · Heft 3 (Juni 1938) · p. 115

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Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1938)
Article
Laut und Wort
Date
1938-06-01
Page
115 (sequence 8)
Language
German
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Laut und Wort ständliches; je nach der Eigenart des einzelnen Substanzlauts (k, g, sch, s, c, h usw.) sind es harte, elastische, lockere, fließende, spitze, gasförmige Gegenstände usw. Fassen wir das Wort als Satz auf, so ist in diesem Wortsatz prk das p Subjekt, r Prädikat und k Objekt. Regelmäßig stellt im Wortsatz der Bewegungslaut das Prädikat dar, da ja Bewegung und Tätigkeit beinahe sich deckende Begriffe sind. In manchen Sprachen (hebräisch, russisch usw.) erscheint nicht selten das Prädikat im Satz entbehrlich, namentlich wird vielfach auf die Kopula (das Hilfszeitwort „sein") verzichtet; das spiegelt sich im Wort, denn in ihm wiederholt sich die Syntax des Satzes der einzelnen Sprache. Im Hebräischen bedeuten beispielsweise pärotz (prc) und potz (pc) nahezu das gleiche: ausbrechen, zerstieben, zerplatzen. Dabei ist p das Subjekt, ein gefüllter Raum; c ist das Objekt, spitze, stechende Gegenstände; das Prädikat wird einmal ausgedrückt mit r, das die verwandelnde Bewegung wiedergibt, das andre Mal wird es gespart, der Hörer denkt es sich hinzu, wie bei einem elliptischen (verkürzten) Satz. Jedes dreikonsonantige Stammgefüge (in unserem Beispiel; prc) läßt sich nicht nur auf einen Kern (pr) zurückführen, sondern nach Belieben statt dessen auf einen zweiten (pc) oder dritten (rc); einmal wird c in unserem Beispiel als Suffix (Nachlaut) betrachtet, das zweitemal r als Infix (Inlaut), das drittemal p als Präfix (Vorlaut). Die drei verschiedenen Auffassungen müssen annähernd zum gleichen Ergebnis führen, denn wenn auch nur zwei Elemente in zwei Stammgefügen aus drei Konsonanten sich gleichen, so müssen ihre Grundbedeutungen verwandt sein. Praktisch aber bestimmen wir den Kern nach der Häufigkeit seines Vorkommens in begriffsverwandten Wörtern, deshalb entscheiden wir uns in dem Beispiel prc für den Kern pr. Manche Stammgefüge enthalten einen Kern verdoppelt. Man denke an Wörter wie Zickzack, Wirrwarr, hebräisch calcel klingeln, cachcech putzen, polieren, galgal Welle. Diese Kernwiederholung, vielfach noch verstärkt durch die Art der Vokalverwendung, gibt vorzugsweise eine rythmisch wiederholte Bewegung wieder. Die Sprache könnte dazu auch andre Mittel anwenden, etwa Bewegungslaute. Ihr stehen überhaupt sehr oft verschiedene Mittel zur Verfügung, um einer Vorstellung Ausdruck zu geben. In der Verwendung des einen oder andern Mittels liegen Feinheiten einer Sprache und, häufig, kennzeichnende Unterschiede verschiedener Sprachen. Vielfach begegnen uns Substanz- und Raumlaut so eng verknüpft, daß wir sie erst verbunden als Einheit empfinden. Das gilt zum Beispiel für qv (oft qu geschrieben) und sp im Lateinischen und Deutschen, bei ps im Griechischen und so fort. Hier 115

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