Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1938)
- Article
- Laut und Wort
- Date
- 1938-06-01
- Page
- 114 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hugo Striemer Bogen, mag diese Form einmal die Erhebung in den Raum hinein (Kuppe, Kopf), das andre Mal die Einbuchtung in die Substanz hinein bezeichnen. Übrigens gehören Wörter wie Kurve oder Körper nicht zufällig zugleich der ersten Kerqgruppe (KR) und der dritten Kerngruppe (KP) an; sie drücken gleichzeitig die Verbindung von Substanz und (rotierender) Bewegung wie von Substanz und Raum aus. Bei der vierten Kerngruppe, KK, kann die Beziehung zwischen Substanz und Substanz entweder bindend oder lösend sein. Bindung entsteht, wenn eine Substanz an, auf, in eine andre kommt (sitzen, setzen, stechen, stecken). Lösung tritt ein, wenn Substanz von Substanz abgeht (scheiden, kotzen). "Die fünfte Kerngruppe, PP, stellt eine Beziehung von Raum zu Raum dar. Sie ist selten, denn regelmäßig nehmen wir an einem Ding auch das Substantielle wahr. Hier gibt es nicht so sehr Konturen als Farben und verschwimmende Umrisse, so bei Flamme, Blume, Baum, flimmern, Flaum usw. (Das 1 ist hier nur Bindeglied). „Baum" besagt etwa, wenn wir zunächst den Diphthong beiseite lassen: b gefüllter Raum, m von unbestimmter Geschlossenheit. Bei der letzten Kerngruppe, RR, also Bewegung + Bewegung, sind namentlich die Kerne rr, 11, rl und Ir zu unterscheiden. Der Kern rr bedeutet fortlaufende starke Bewegung (rühren), auch akustisch wahrgenommen (z. B. röhren, engl. roar). Der Kern 11 gibt eine hüllende, sich rings anschmiegende Bewegung wieder, mehr gehörsmäßig wie im deutschen Worte lullen oder mehr bildmäßig wie in den hebräischen Wörtern lul Wendeltreppe (erst weiter abgeleitet Hühnerstall) und teil, /ai/a Nacht, das heißt die Hüllende. Die kreisende und die anliegende Bewegung verbinden sich bei den Kernen rl (ro//en) und Ir (leeren). Hierher gehören auch Verbindungen solcher Substanzlaute, die zugleich Bewegungsreaktionen darstellen, also ein Kern wie zz (z. B. sausen, hebr. zuz rühren, rücken). Dem Kern, bestehend aus zwei Konsonanten, kann zur Erweiterung des Begriffs ein dritter Konsonant sich vor-, nach- oder einfügen. Das so entstandene Stammgefüge aus drei Konsonanten bildet die Regel im Hebräischen und in den meisten andern Sprachen. Ebenso besteht ja auch der Satz überwiegend aus drei Teilen: Subjekt, Prädikat, Objekt. Die drei Stammkonsonanten im Wort sind ihnen zu vergleichen. Nehmen wir als Beispiel den Kern pr und erweitern wir ihn zum Stammgefüge durch dritte Konsonanten. Dieser Kern besagt in den uns bekannten Sprachen: p ein prall gefüllter Raum, r gerät in stetige Bewegung. Hier ist p Subjekt, r Prädikat. Fügt sich als dritter Konsonant hieran irgendein Substanzlaut (K), so bedeutet das weiter: der gefüllte Raum, der sich bewegt, zerfällt in Gegenn4