Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1938)
- Article
- Mahaschawi und die Landwirtschaft
- Date
- 1938-06-01
- Page
- 106 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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M. Y. Ben Gavriel „Wohlgeborene Regierung: indem daß der namenlos Unterzeichnete ein braver Bürger dieses Landes ist, scheint es ihm Pflicht, anzuzeigen, daß der Mann Mahaschawi im Dorf Kfar Haggiborim in seinem Haus nicht nur Haschisch versteckt hat, was dem Gesetz gegen den Rauschgifthandel widerspricht, sondern auch nesheq ham — heiße Waffen —, was durch das soeben erlassene Gesetz betreffs verbotenen Besitzes heißer Waffen oder Munition dazu verboten und vor dem Militärgericht mit dem Tode belohnt wird. Ich, ein treuer Bürger." Mit diesem Brief fuhr er nach Tel Aviv auf die Post, wanderte strahlend von einem Kaffeehaus ins andere, besuchte zwei Kinovorstellungen und fuhr am Abend nach Hause. In anhaltender Vergnügtheit legte er sich schlafen und schlief, bis, nun bis plötzlich mit einem anscheinend sehr harten Gegenstand an seine Tür geklopft wurde. Mahaschawi fuhr auf, erinnerte sich sofort, was er erwartete, überzeugte sich mit einem Blick durchs Fenster, daß erstens die Sonne im Aufgehen begriffen und zweitens, daß das Haus kunstgerecht von Militär und Polizei umstellt war. Dann stürzte er zur Tür, prallte kunstgerecht zurück, als hätte er noch nie einen englischen Soldaten gesehen, und suchte verlegen in seinem Nachthemd nach seiner Brille, als der Offizier ihm schweigend einen richterlichen Befehl vorwies, der den Überbringer berechtigte, im Hause des Herrn Mahaschawi eine Durchsuchung vorzunehmen. Mahaschawi tat überaus entrüstet, als er die Beschuldigung, Haschischhändler und Besitzer von Kriegsgerät zu sein, vernahm, führte aber dann mit einer großen Geste, wobei er sich im Vorbeigehen ein Handtuch wie einen Gürtel um den Leib band, den Offizier und die Polizisten ins Haus. In den Zimmern taten sie schnelle, aber derart gründliche Arbeit, daß Mahaschawi ziemlich unbehagliche Gefühle bekam, da er erkannte, daß sein Mobiliar nicht für verärgerte und unausgeschlafene Soldaten berechnet war, die bereits einige hundert nächtliche Vergnügungen dieser Art in den letzten Wochen hinter sich hatten. Als der Offizier aber dann die Tür zum Speicher aufmachte, verfinsterte sich mit einem Blick auf seine Armbanduhr sein sommersprossiges Gesicht, weil er auf schnelle Erledigung der Sache und auf ein Frühstück in Tel Aviv gerechnet hatte. Er und die Polizisten standen etwas ratlos vor einem überhohen Berg Gerste, so ratlos, daß Mahaschawi plötzlich Angst bekam, sie könnten auf die Untersuchung dieses Raumes verzichten. Er bekam derartige Angst, daß ihm Schweißperlen auf die Stirn traten, was der Offizier, ein Menschenkenner durch und durch, sofort als Schuldbekenntnis auslegte. Er rief den Polizisten wütend einige Befehle zu, worauf zwei von ihnen verschwan- 106