Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1938)
- Article
- Mahaschawi und die Landwirtschaft
- Date
- 1938-06-01
- Page
- 107 (sequence 5)
- Language
- German
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Mahaschawi und die Landwirtschaft den. Mahaschawi versuchte inzwischen mit dem Offizier in ein freundliches Gespräch zu kommen, was aber daran scheiterte, daß Mahaschawi von der englischen Sprache wenig, der Offizier von dem Thema der Selbstverbrennung der Gerste gar nichts verstand. Inzwischen verging die Zeit, bis die Polizisten mit einigen Beduinen vom Sumpflager auftauchten, die, brave Bürger, welche nach Sonnenaufgang niemals ins Dorf schießen, unter fröhlichen Wechselgesängen begannen, die Gerste zum Fenster hinaus auf die Straße zu schaufeln. Damit aber hatte Mahaschawi nicht gerechnet. Wozu braucht man Gerste auf der Straße? Er versuchte dies dem Offizier verständlich zu machen, aber der dachte an sein verpaßtes Frühstück und vermochte sich daher nicht in die Seele eines Landwirtes zu versetzen. Er ließ weiterschaufeln. Es war Mittag, als die Sache zu Ende ging. Vor dem Haus stand ein mächtiger Gerstenberg, der mit unheimlicher Faszination die Spatzen des Ortes, einige Esel und ein paar Kamele anlockte. Polizei und Militär waren verschwunden, im Haus saßen die Reste des Herrn Mahaschawi, das nämlich, was die zehrende Wut von ihm übrig gelassen hatte, und berechnete, was diese offensichtlich verfehlte Spekulation ihn kostete. Denn verfehlt war die Spekulation, wenn man in Betracht zog, daß das Haus und das Mobiliar zum Teil den Anforderungen einer Haussuchung nicht gewachsen gewesen, zum Teil von den freundlichen Beduinen in ihr Lager bei den Sümpfen mitgenommen war, und daß die sechs oder acht Stunden das Haus umzingelnden Soldaten in begreiflicher Langeweile dem Besitzer die Sorgen einer künftigen Apfelsinenernte abgenommen hatten. Ueberdies aber hatte der Offizier, ehe er das Protokoll über die von seinem Standpunkt aus völlig ergebnislose Haussuchung abschloß, so nebenbei die Bemerkung fallen lassen, daß die Entlohnung der schaufelnden Beduinen zu Lasten des Hausbesitzers gehe. Da aber infolge eines Gesetzes, das der Rat unseres Dorfes beschloß, das Lagern von Gerste auf der Dorfstraße verboten wurde, weil die Esel und die Kamele beim Anblick dieser Delikatesse störrisch und arbeitsunlustig wurden, hatte Mahaschawi noch einige Spesen für Arbeiter, die ihm das Getreide in seinen Speicher zurückschaufelten. Die Gefahr einer Selbstverbrennung war dadurch fast vollkommen aus der Welt geschafft, um so mehr als sich bald darauf ein Mann fand, der die Gerste zum Tageskurs, etwa dreißig Punkte unter dem Einkaufspreis, übernahm. Herr Mahaschawi zog sich nach Abwicklung dieses Geschäftes von der Landwirtschaft zurück und widmete sich bald darauf einer andern, weit billigeren und weniger komplizierten Idee, nämlich der Psychoanalyse. 107