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Der Morgen · 1938-06-01 · Heft 3 (Juni 1938) · p. 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 3 (Juni 1938)
Article
Grenzen der Normalisierung
Date
1938-06-01
Page
98 (sequence 6)
Language
German
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B. Weinryb schiede gibt, die nicht nur im Kulturniveau, sondern in der Produktions- und Distributionsweise zum Ausdruck kommen und zu Reibungen führen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Juden und Araber mit dem Lande Palästina andere Vorstellungen verknüpfen und daß sich daraus erhebliche Gegensätze zwischen beiden Bevölkerungsteilen herleiten. Schon der Umstand, daß etwa zwei Drittel der arabischen Bevölkerung und nur ein Sechstel der Juden von der Landwirtschaft leben, gibt zu Konflikten Anlaß. Eine landwirtschaftliche Bevölkerung ist an der industriellen Entwicklung nicht besonders interessiert. Sie möchte im Gegenteil die Industrieprodukte so billig wie möglich erhalten und widersetzt sich Zöllen auf ausländische Industrieprodukte, die den Lebensstandard verteuern. Diese Erscheinung läßt sich in den verschiedensten Ländern feststellen. Die Zeugenaussagen der arabischen Vertreter vor der Royal Commission, die sich gegen Zölle und gegen die industrielle Entwicklung des Landes gewandt haben, hatten allerdings noch andre Ursachen. So ist ihr Widerstand gegen die Industrie teilweise ein Ausdruck ihrer Gegnerschaft gegen die Abänderung der feudalen Verhältnisse und der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, wie die Industrieentwicklung sie mit sich bringen würde. Aber wie dem auch sei, es ist klar, daß diese ökonomischen, gesellschaftlichen oder nationalen Differenzen nicht geeignet sind, die Arbeit der Juden zu erleichtern. Sie verkleinern die objektiven Gegebenheiten, die das Land bietet, und engen die Entwicklungsmöglichkeiten sehr beträchtlich ein. Auch auf andern Gebieten außerhalb der Wirtschaft sind die Juden weit entfernt von einer vollen Unterstützung durch die staatliche Macht im Lande und von einer normalen Situation. Zunächst ist die hebräische Sprache nur eine von den drei im Lande geltenden. Sie wird offiziell und inoffiziell praktisch in vieler Hinsicht benachteiligt. Das gleiche gilt von Schulen und andern Kulturinstitutionen. Die Juden erhalten nicht den vollen Anteil, der ihnen an den Ausgaben der Regierung zusteht, und die Regierung deckt die entsprechenden Ausgaben für diese Institutionen nicht durch die direkten und indirekten Steuern, die ihnen von den Juden zufließen. Die Juden sind vielmehr gezwungen, Erziehungs- und Kulturausgaben größtenteils selbst zu bestreiten. Das Streben nach Normalisierung im eigenen Lande, das die Grundlage des Zionismus war, führte bei vielen zu der Annahme, daß man in Palästina „seine Ruhe" auch im wörtlichen Sinne finden könne. Es ist kein Zufall, daß seit einiger Zeit in gewissen Kreisen die Ansicht laut wird, daß die chaluzische Epoche beendet sei. Während man noch vor 10—15 Jahren allgemein glaubte, 9S

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