Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1938)
- Article
- Wahrheit über Zion
- Date
- 1938-05-01
- Page
- 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895580-2895582-2908178--10568-2908214- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Heinrich Lemle gelesen hat. Man ist gewillt, im Sinne Hermann Cohens das Gewicht Jerusalems wegzudeuten. Die Harmonie mit dem Gedanken der Mission (Jes. 49, 6) sucht man heute noch wie ehedem zu erreichen, indem man Zion ins Geistige übersetzt. Nicht national-jüdische Einseitigkeit, sondern weltbürgerliche Angst verwehren das, was auch Maybaum das einzig rechte Verstehen des Jesaja-Textes nennen würde. Der Begriff der „jüdischen Autochthonie", gegen den Maybaum sich wendet, soll uns im Augenblick einmal als klar genug definiert erscheinen. Er polemisiert dagegen, daß der jüdische Anspruch auf Palästina „mit dem Rechtsanspruch des Schwertes oder der Erdgewachsenheit" begründet werde. Den meisten unter uns, die an Palästina-Debatten interessiert sind, ist es jedoch wohlbekannt, daß gerade an dieser Frage die Majorität aller Zionisten sich von ihrer Minorität scheidet. Die Majorität aber, die die Führung der Politik bestimmt, hat ihr durch W e i z - mann die klare Formulierung geben lassen: „Nicht herrschen und nicht beherrscht werden." Schon damit dürfte ein Geist seinen Ausdruck gefunden haben, der mit Autochthonie wirklich nichts mehr gemeinsam hat. Was die Führung hier proklamiert, das lebt als Wirklichkeit in der Seele der Massen. Wie sonst wäre es zu verstehen, daß die nahezu einmütige Antwort auf den Terror in Zurückhaltung und Disziplin bestand? Wie könnte es anders begriffen werden, daß ein Vater der fünf Märtyrer von Kirjat Anawim am Grabe seines Sohnes sagte: „Wir kennen nicht die Antwort der Rache, wir kennen nur die Antwort des Aufbaues"? Hier spricht eine politische Reife von beträchtlicher Höhe, die weiß, daß nicht das Schwert und die Gewalt das Recht auf den Boden Palästinas sichern. Wo aber dieses Recht auf etwas anderes gegründet wird, da gibt es keine Autochthonie. Maybaum spricht weiter vom Grunde und von der Bedeutung der Araberfrage. Wer bestreitet heute noch ihre entscheidende Rolle, etwa wie zur Zeit Achad Haams, der damals wirklich zur Entdeckung dieser Frage ausziehen mußte? Eine von vielen Möglichkeiten der Bestätigung aus der Wirklichkeit sei hier angeführt. In der Hagada, mit der eine der — ob ihrer religiösen Einstellung so sehr verketzerten und so oft verkannten — Kwuzot nach palästinensischem Brauch ihren eigenen Beitrag zum Peßach-Feste geleistet hat, werden in die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft des Landes ausdrücklich die Araber mit einbezogen. In ihren Glücksträumen denken junge Juden, die nachts mit ihrem Leben die Siedlung gegen Angriffe schützen, an die Araber! Wir sehen keine Notwendigkeit mehr, sie die Gewichtigkeit der Araberfrage von uns her zu lehren. — In all dem zeigt sich also, daß Maybaum die Fronten, gegen die er anrennt, falsch sieht. 50