Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1938)
- Article
- Die abessinische Falascha
- Date
- 1938-04-01
- Page
- 35 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die abessinischen Falascha 405 erhob sich, ein zweiter Aufstand der Oberägypter gegen die persische Herrschaft. Von diesem Zeitpunkt ab fehlt jede Nachricht über die Juden in Elephanline. Man muß annehmen, daß damals die jüdische Kolonie in Elephanline völlig aufgerieben worden ist. Für die Flüchtlinge war der Weg nach Norden durch das feindliche Ägypten versperrt; sie konnten sich nur nach Süden wenden und nahmen wohl ihren Weg am Ostufer des Nils entlang bis zu dessen Nebenfluß, dem Atbara, an dessen Nordufer hinauf sie ins Land der Agau im westlichen Abessinien gelangten, liier fanden die, deren Kräfte ausreichten, um das Land zu erreichen, also wohl nur die stärksten Männer, eine neue Heimstätte. In der Agausprache heißt „Falascha" der „Vertriebene'*. Unter dieser Bezeichnung leben noch heule die Nachkommen der aus Elephantine Vertriebenen, Diese haben, wie einst ihre Urväter in Kanaan, mit Agaumädchen Ehen geschlossen und Familien gegründet. Sie haben den Glauben der Väter bis zum heuligen Tage beibehalten in der Art, wie ihn die Vertriebenen vor 2300 Jahren mitgebracht hatten. Die Falascha opfern noch heule auf Opferallären, die hinter ihren Tempelhütten (Mesgid) innerhalb einer steinernen Umwehrung stehen. Im Mesgid steht ein kleiner Tisch, auf welchem das Gesetzbuch „Orit" liegt und ein siebenarmiger Leuchter sieht. Es sind ferner zwei irdene Töpfe vorhanden; in dem einen befindet sich die Asche einer roten Kuh, in dem andern Weihwasser, wie es nach 4. Mos. 19, 1—10 angeordnet ist. Der Gottesdienst wird von Priestern (Debleras, auch Kahen genannt) verrichtet. Zu Priestern werden meist die Erstgeborenen bestimmt, die dann getrennt von den Laien leben; diese Priester müssen täglich siebenmal Gebete verrichten, die Laien nur zweimal, am Morgen und am Abend. Unbekannt sind Gebetriemen (Thephilin). Gebetmäntel (Tallit) und Mezuzot. Der Sabbalh wird streng gehalten; ebenso das Passah (Fassika) und das llerbsliest (Bala Metseiet), das ohne Laubhütten gefeiert wird. Das Neujahrsfest kennen die Falascha nicht, hingegen wird ein Versöhnungsfest mit strengem Fasten begangen, das mit der Versöhnung aller Betenden für gegeneinander begangenes Unrecht und darauf folgendem gemeinsamen Feslessen abschließt. Dieser Festtag findet im November slalt. Es gibt außerdem noch einen großen Feiertag mit Opferkult (Teskar), der dem Andenken der Toten geweiht ist. Purirn und Chanukka kennen die Falascha nicht, da diese Feste erst eingeführt worden sind, als sie längst völlig abgesondert in Abessinien leblen. Hingegen fasten sie Mitte Januar im Andenken an die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar. Von der Bibel sind ihnen nur bekannt das Pentaleuch, das Buch Josua, das Buch der Richter und das Buch Ruth. Sie besitzen auch noch Das Märzheft enthielt u. a.: Gedanken zur Berufswahl I Rudolf Hallo, Der Psalter / Mala Laaser, Erkel Gawlick (Erzählung) / Werner Rosenstock, Die subjektive Judenfrage / Ignaz Maybaum, Zionismus und Zionsliebe. Im Mcdhefi schreiben u. a. Heinrich Lemle, Wahrheit über Zion | Hugo Striemer, Laut und Wort | Vera Craener, An der Schwelle 35