Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1938)
- Article
- Der Zionismus als säkularer Idealismus und als religiöse Bewegung
- Date
- 1938-04-01
- Page
- 11 (sequence 7)
- Language
- German
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Der Zionismus als säkularer Idealismus und als religiöse Bewegung in allen Ländern, beweist seit Jahrzehnten die Figur des Schomerr des Wächters im Kibbuz, der auf seinem Posten steht, treu und brav — bis in den Tod. Wir können das auch. Aber wir dürfen daraus keine Ideologie für das jüdische Volk als Ganzes machen^ Das jüdische Volk als Ganzes — in Palästina und Übersee — sucht Lebensraum. Das ist ein ganz unheroisches Ziel. Das jüdische Volk, dieses leidende Gottesvolk, dieses Martyriumsvolk, hat ein Recht in seinem Streben nach Lebensraum, unheroisch zu denken. Das jüdische Volk ist davor bewahrt, mit diesem unheroischen Ziel auf eine Stufe des Gewöhnlichen und Gemeinen abzusinken. Denn das Leben des jüdischen Volkes, das zu erhalten wir beauftragt sind, ist das Leben eines Volkes, das als lebendiges Zeichen Gottes hineinreicht in die Völkerwelt. Wir sind Gottes Zeugen, und deshalb ist für das jüdische Volk die bloße Aufgabe der Lebenserhaltung eine geistige Aufgabe. Wer das jüdische Volk für eine andere Aufgabe aufopfern will, die mit seinem Auftrag, Zeuge Gottes, Zeuge des in der Geschichte wirkenden Gottes zu sein, nichts zu tun hat, dem gilt in seinem edlen, aber für das jüdische Volk nicht gemäßen Ideal der Mahnruf „Strecke deine Hand nicht aus gegen den Knaben, und tue ihm nicht das Geringste". Wir kommen um die Frage nicht herum, ob die fanatische Haltung zum Wesen des religiösen Menschen oder zum Wesen des Idealisten gehört. Fanatismus ist eine Haltung, die dort auftritt, wo eine Mischung von Idealismus und Glauben eingetreten ist, die, in dieser Form dem Judentum und dem Christentum fremd, allein für den Islam charakteristisch ist. Die Identifizierung des Heiligen mit dem Irdischen charakterisiert den Islam. Obwohl das Judentum sowohl wie das Christentum Symbiosen mit dem Idealismus eingehen, sind diese Symbiosen im Judentum und im Christentum frei von der Versuchung, den imperialen Gehalt der eigenen politischen Kämpfe zur Sache Gottes zu machen. Der Islam allein führt seine Eroberungskriege im Namen Gottes. Die Kreuzzüge sind kein Gegenbeweis. Sie zeigen nur, wie sehr das Mittelalter vom Islam beeinflußt war. Der Islam diskriminiert seinen Gegner. Die Gegnerschaft wird nicht nur politisch gesehen, sie wird als gegen Gott gerichtet erklärt. Der Gegner ist der Ungläubige, der Feind Gottes. Es muß daher gesagt werden, daß eine Fanatisierung des jüdischen Volkes, wie der zionistische Politiker sie zeitweise verschuldet, ein dem Judentum fremdes, islamisches Element heranträgt. Ein zionistischer „Kreuzzug" in Palästina wäre kein jüdischer Kampf. Wenn auch dem zionistischen Realpolitiker nachgerühmt werden kann, daß er in seiner Praxis Humanität, die den Gegner als Menschen sieht, und Demut, die die Entscheidung bei Gott läßt, immer betätigt hat, so läßt doch der zionistische Aufruf das Fanatische //