Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1938)
- Article
- Der Zionismus als säkularer Idealismus und als religiöse Bewegung
- Date
- 1938-04-01
- Page
- 10 (sequence 6)
- Language
- German
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Ignaz Maybaum ist der Weg des Priesters, nicht der Weg des Helden. Der Priester wandert ohne Schwert durch die Welt. Der Priester und der Soldat stehen an der Front, an gefährlicher Front, an der Front, an der es um die Entscheidungen der Menschheit geht Die Heiligkeit des Abrahamsweges, die Heiligkeit des jüdischen Weges ist etwas anderes als die heroische Aufopferung des Lebens^ Sie liegt darin, daß hier das ganze Leben, das Leben des jüdischen Volkes, das Leben des jüdischen Einzelnen aus dem allgemeinen Leben, aus dem Leben, wie alle andern es leben, herausgenommen wird und dadurch, durch diese Herausnahme aus dem Leben, geweiht wird für das Leben. Aus dem Leben herausgenommen, wie alle andern es leben und geweiht für das Leben, — das ist der Weg des Priesters. So verstehen wir Juden, die wir eine jüdische Kirche nicht kennen, Priestertum, wir verstehen es als eine Haltung, die für jeden Juden die jüdische Möglichkeit bedeutet. Jüdische Wanderung heißt heute Palästinawanderung und Überseewanderung. Es fällt jetzt öfter das Wort, der Weg nach Palästina allein sei heroischer Weg. Greifen wir das Wort auf. Wir lesen die Zeitungen und geben zu, daß dieses Wort von Tag zu Tag wahrer wird. Wir erfahren, in welcher Situation unsere Brüder und Schwestern in Palästina sind. Sollen wir zu jüdischen Eltern, die ihre Kinder in Erez Israel haben, sollen wir zu jüdischen Männern und Frauen, die ihre Lieben drüben haben, sagen: denkt heroisch?! Was ist ein Menschenleben auf dem Wege des jüdischen Volkes, das jetzt in der Weltgeschichte eine politische Chance erhält? Dürfen Vertreter des jüdischen Volkes sagen: wir müssen fest bleiben, Opfer fallen — gewiß; aber der Zionismus ist der Eintritt des jüdischen Volkes in die Weltgeschichte? Die Weltgeschichte ist die Opferstraße der Menschheit. Da gibt es für das jüdische Volk keine Ausnahme, und es heißt jetzt, am Verhandlungstisch fest bleiben und heroisch denken. Aber hier hat auch das Wort „Strecke deine Hand nicht aus gegen den Knaben, und tue ihm nicht das Geringste" seine aktuelle Bedeutung für unsere Stunde. Kein Vertreter des jüdischen Volkes hat das Recht, das jüdische Volk gleichsam als Material zu betrachten, das für eine politische Idee eingesetzt werden darf. Es gibt keine politische Idee, für die das jüdische Volk eingesetzt werden, heroisch aufgeopfert werden darf, weil das jüdische Volk seinen Auftrag in sich selbst trägt, seinen Auftrag für alle Weltzeit schon besitzt, weil es dadurch jüdisches Volk ist, daß sein weltgeschichtlicher Auftrag anders lautet als der, den die Weltvölker in der Geschichte haben. Die Weltvölker gehen den edlen Weg des politischen Heroismus. Daß wir das Edle des politischen Heroismus begreifen und dabei zu aktiver Beteiligung fähig sind, beweist das jüdische Frontsoldatentum 10