Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 1 (April 1938)
- Article
- Der Zionismus als säkularer Idealismus und als religiöse Bewegung
- Date
- 1938-04-01
- Page
- 12 (sequence 8)
- Language
- German
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lgnaz Maybaum deutlich hören. Zionistische Propaganda aber darf nicht etwas sein, was neben der jüdischen Lehre steht. Zionistische Propaganda ist nur als Teil der jüdischen Lehre jüdisch verpflichtend. Der Jude und Zion — das ist ein Punkt der jüdischen Lehre. Auch in diesem Punkt darf die Lehre nicht verfälscht, darf nichts weggetan und nichts hinzugefügt werden. Die Schriften Herzls sind in der zionistischen Propaganda mit einer Absolutheit umgeben worden, die fast an eine Koranbildung erinnert. Die Ideologie, die politische Maxime als heilige Lehre fanatisiert die jüdische Masse, und sie hört dadurch auf, das zu sein, was jüdische Gemeinschaft nach der Sehnsucht des jüdischen Politikers vor allem sein muß: jüdisches Volk. Eine zionistische Ideologie, die sich nicht mehr an der jüdischen Lehre orientiert, aber um so mehr als politischer Idealismus auftritt und so die jüdische Gemeinschaft erzieht oder — besser gesagt — formiert, mag jüdische Menschen zu einem straff organisierten semitischen Kollektivum zusammenfassen. Ein jüdisches Volk sind wir nur durch die jüdische Lehre. Wie sehr der Zionismus heute die Sprache des säkularen Idealismus spricht, zeigt sich, wenn er in dieser Sprache im amerikanischen Judentum wirbt. Er wird dort nicht verstanden. Man behauptet, das amerikanische Judentum sei schuld, wenn sich der Zionismus in Amerika in Geldaufbringung erschöpfe und eine eigentliche an Zion sich ausrichtende jüdische Lebensordnung fehle. Dieser Vorwurf ist merkwürdig. Handelt es sich doch im amerikanischen Judentum um ein in seiner Mehrheit aus dem Osten stammendes Judentum. Die Predigt über Zion stößt hier nicht an jene Wand der Abstraktion, die das Westjudentum einst mit der These Mendelssohns „Jerusalem — eine Idee" um das lebendige jüdische Fühlen errichtet hatte. Dagegen versteht der amerikanische Jude als Amerikaner und als Ostjude die Formeln des säkularen Idealismus nicht, in denen der Zionismus aus Deutschland zum Ausdruck kommt. Als Amerikaner spricht er die geistige Spräche seines Landes, die die Sprache eines lebendigen Christentums ist. Es gibt kein anderes Land, in dem das Christentum so wenig Kirche und so sehr Öffentlichkeit ist. „Spirit" und Realität sind hier wunderbar eng benachbart. Der Europäer denkt z. B. in kontinentalen Denkordnungen über die Heilsarmee und begreift sie nicht. Ebenso begreift der amerikanische Jude als Amerikaner und als Jude nicht das im IQ. Jahrhundert entstandene System des Idealismus. Die zionistische Propaganda in Amerika scheitert also an ihrer eigenen Ideologie, nicht an der hier zu Unrecht kritisierten jüdischen Haltung des amerikanischen Judentums. Für die anglikanischen Menschen, in deren Mitte es lebt, bleibt die biblische Geschichte — eine Realität. Die christliche Zionsliebe ist in der anglikanischen 12