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Der Morgen · 1938-04-01 · Heft 1 (April 1938) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 1 (April 1938)
Article
Der Zionismus als säkularer Idealismus und als religiöse Bewegung
Date
1938-04-01
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Ignaz Maybaum hinweg auf grundlegendere geistige Fundierung bedacht war. Da wurden Fichtes „Reden'' und des gleichen Denkers „Geschlossener Handelsstaat" für die zionistische Propaganda manchmal wichtiger als Herzls Judenstaatsbuch. Ein Buch wie „Weltbürgertum und Nationalstaat" von Meineke machte dem zionistischen Akademiker jene Klassiker des Idealismus leicht zugänglich. Der Zionismus wurde eine säkulare Bewegung, in der der Jude dastand als Mensch, der in der Gestaltung seines Schicksals nur auf sich allein gestellt zu sein glaubte. Er hatte nicht die Welt erlebt, die ihm einen jüdischen Platz, und hatte Gott nicht erlebt, der ihm einen jüdischen Auftrag zuwies. Er sah sich ganz als jenes titanische Ich des abendländischen Idealismus. Daraus ergaben sich schöpferische Neuformungen und tragische Abschlüsse, wie sie jede säkulare Geschichte darstellt. Wie diese säkulare Geschichte, die der Zionismus schuf, zur jüdischen Geschichte wird, das ist ein Prozeß, in dem wir noch stehen. Um der schwierigen Unterscheidung eines Idealisten von einem religiösen Menschen näher zu kommen, haben wir uns zunächst mit dem in der Gegenwart fast zum Schlagwort gewordenen Begriff „Säkularisierung desJudentums" zu beschäftigen. Schon dieseFormulierung an sich ist ein Beweis für die Verwirrung, die unseremP roblem gegenüber herrscht. Das Judentum als Glaubensgestalt ist eine säkulare Erscheinung. „Säkularisiertes Judentum" ist infolgedessen eine Tautologie, wie nasses Wasser oder heißes Feuer. Wohl kann beim Christentum auf seiner Wende vom Mittelalter zur Neuzeit von einer Säkularisierung gesprochen werden. Denn nur eine Kirche kann säkularisiert werden. Daraus, daß das Christentum Welt wurde, entstanden wichtige Veränderungen. Die Gestalt des modernen Bürgers entsteht, wie Soziologen vom Range Max Webers und Groethuysens zeigten, durch die Säkularisierung des Christentums. Der Bürger zieht sich nicht, wie Groethuysen gezeigt hat, als Ungläubiger aus der Kirche zurück, sondern als von der Kirche sich emanzipierender Glaubender, als Laienpriester. Dadurch, daß ein Kirchenbezirk säkularisiert wird, dadurch daß Christentum Welt wird, wird der Christ Bürger, wird er das, was der Jude von vornherein ist. Die Emanzipation des Judentums aber hat das Judentum nicht säkularisiert, sondern politisiert. Dies geschah im Zusammenhang mit der gesamten Entwicklung des Bürgertums, das immer mehr in die Aufgaben des Staates, der im Mittelalter von den feudalen Schichten getragen wurde, hineinwuchs. Der Idealismus ist Weltanschauung des vor allem politisch sich entfaltenden Menschen. Erzog der Idealtsmus in seiner liberalen Epoche den Juden zum Staat seines Emanzipationslandes, so mündete diese Erziehung durch den Idealismus im Zeitalter des Nationalismus in den 6

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