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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 521

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Die subjektive Judenfrage
Date
1938-03-01
Page
521 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Die subjektive Jadenfrage und Verantwortung für das Ganze bilden die Grundlage für jede Bemühung, sei sie nun groß oder klein. Mit diesem „Minimalprogramm" wäre die subjektive Judenfrage in ihrem jetzigen Stadium für uns beantwortet, wenn die in Deutschland Lebenden auch gleichzeitig die in Deutschland Verbleibenden wären. Da dies aber nicht der Fall ist, weitet sich die subjektive Judenfrage auch für uns wieder zu einem Problem, das an den Besonderheiten unseres Daseins jetzt und in diesem Lebensraum allein nicht gemessen werden kann. Soweit die Menschen nach Palästina auswandern, ist die Frage wenigstens unter dem hier erörterten Gesichtswinkel relativ einfach beantwortet: sie kommen im neuen Wohnland in eine ausschließlich jüdische Umgebung. Der Palästinawanderer wandert also nicht nur aus dem alten Wohnland aus, sondern gleichzeitig in ein neues Wohnland ein, sein Verzicht auf alte Bindungen findet einen Ausgleich durch das Hineinwachsen in eine Gemeinschaft, die sich aus Menschen der gleichen Herkunft zusammensetzt und in neuen, über das persönliche Wohlergehen hinausgehenden Aufgaben ihren Sinn hat. Wichtiger ist die Frage für die nicht nach Palästina Auswandernden, d.h. für die Überseewanderer. Die Aufgabe, diese Menschen über Fahrkarte und Visum hinaus in ihrem jüdischen Gefühl zu stärken, ist noch ungelöst, wird aber bei dem zahlenmäßigen Rückgang der Palästinawanderung und dem täglichen Anwachsen der Überseewanderung zu einem immer dringlicheren Problem. Der Überseewanderer muß inne werden, daß er seinen Weg auch dann als Jude weitergeht, wenn er infolge seiner Auswanderung dem sichtbaren jüdischen Sonderschicksal entronnen zu sein glaubt. Anderseits soll ihm, wenn er sich schon wirtschaftlich mit eigner Kraft durchkämpfen muß, wenigstens seelisch das beklemmende Gefühl der Vereinzelung und Bindungslosigkeit, das ihn nach Verlassen der alten Heimat überfällt, nach Möglichkeit erspart bleiben. So bricht heute durch die Steigerung der Überseewanderung die subjektive Judenfrage in dem Sinne neu auf, in dem sie vor 1933 in Deutschland bestanden hatte und in dem sie, wie schon ausgeführt, für die Hierbleibenden und Palästinawanderer aufgehoben ist. Bevor wir jedoch überlegen, wie man diese Menschen jüdisch binden soll, darf der Einwand nicht leicht genommen werden, ob eine solche jüdische Bindung überhaupt wünschenswert ist oder ob sie nicht vielmehr unnötiges Gepäck für die ohnehin schwere Wanderung bedeuten würde. Manche jüdischen Kreise haben sich angesichts des vielen Leids, das jüdisches Schicksal in sich birgt, zu der Ablehnung eines jüdischen Zukunftswillens geführt gesehen. Hierzu gehören nicht nur Men- 521

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