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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 515

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Zionismus und Zionsliebe
Date
1938-03-01
Page
515 (sequence 6)
Language
German
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Zionismus und Zionsliebe Meinung ist. In jenem zionistischen Hochgefühl kamen wir ins Land, fast mehr Griechen und Römern als Juden gleichend. Daß uns die Geschichte in der kurzen Spanne von 1933—36 diese Möglichkeiten gegeben hat, wollen wir dankbar feststellen. Aber wenn diese Möglichkeiten jetzt zu Ende sind, wenn die Geschichte uns jetzt daran erinnert, daß wir Juden eben keine Griechen und Römer sind, so soll diese Situation uns nicht als trostlos erscheinen. „Die Tröstung Israels", wie Buber Jes. 40—55 nannte, ist jetzt in Wahrheit für uns aktuell geworden, und wir greifen nach jenem biblischen Trostbuch. Wir können jetzt lesen, was wir im zionistischen Hochgefühl von 1933 nicht verstanden haben, selbst dann, wenn wir es gelesen haben. Jetzt ist der Text lebendig geworden. Deuterojesaia spricht von Kyros und von Israel. Israel heißt der Knecht Gottes. Kyros erhält hier den Beinamen „Gott liebt ihn", „Mein Hirte" und „Mann meines Rates" wird er von Gott genannt. Schließlich heißt er „Gesalbter, Maschiach" (45,1). Eine nichtjüdische Figur der Geschichte erhält hier das Attribut Messias! Das ist der Ausdruck des höchsten Ernstes, mit dem der Jude der Weltgeschichte gegenübersteht. Er ist bereit, sich den verschiedenen Geschichtsauf gaben zu stellen. Niemals stehen wir dem Caesar apokalyptisch gegenüber mit dem Wort, daß sein Reich „nur" von dieser Welt ist. In den Aufgaben dieser Welt haben wir Gott zu gehorchen. Wir haben vom englischen Kyros gesprochen und vergleichen die Balfour-Deklaration mit dem Edikt von Egbatana. Aber die Unterschrift, die der Sprecher der arabischen Macht unter ein jüdisch-arabisches Konkordat setzt, wird von uns mit derselben Begeisterung und Dankbarkeit aufzunehmen sein, auch wenn wir — nicht im Unterschied zum Mandat, sondern ganz genau wie beim Mandat — wieder einem Machtträger als Empfangende gegenüberstehen werden. Der Araber als Machtträger ist eine Gegebenheit. Er ist ein Faktum, das von Tag zu Tag stärker in geschichtliche Erscheinung tritt. Wenn wir dieses Faktum nicht anerkennen, werden wir darüber straucheln. Die arabische Welt rückt von Tag zu Tag mehr in der Berufung, die orientalische Welt mit Zivilisation zu durchdringen, an entscheidende Stelle vor. Lawrence hat für die Gestalt des Arabers, den er als Ritter der Wüste zeichnet, in England eine Stimmung der Sympathie und des Respektes geschaffen. Wir können das ressentimentlos feststellen, um so mehr, als der Peel-Bericht, mag er inzwischen auch in seiner politischen Bedeutung überholt sein, ein wunderbares Dokument englischer Anerkennung für uns ist. Selten hat ein nichtjüdischer Machthaber in dieser Sprache so über Juden und zu Juden gesprochen. Die Sprache Englands gegenüber den Juden ist ehrlich. Aber es ist auch gezwungen aus Interessen des Empire, 515

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