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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 510

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Zionismus und Zionsliebe
Date
1938-03-01
Page
510 (sequence 1)
Language
German
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Ignaz Maybaum: ZlOtllSmUS Utl(t ZiOtlSliebe Im Jahre 1933 hat Martin Buber die Kapitel 40—55 des Buches Jesaia unter dem Titel „Die Tröstung Israels" als gesondertes Büchlein herausgegeben. Es handelt sich um jenen Propheten, den wir mit Namen nicht kennen und den wir uns gewöhnt haben als „Deuterojesaia" oder „Zweiten Jesaia" zu bezeichnen. Er bekennt eine Zionsliebe, wie kein Zionist von heute sie tiefer hegen kann. Aber er bekennt sich ebenso zu einem Universalismus, wie der religiöse Liberalismus des modernen Judentums ihn nicht kühner als Glauben bekannt hat. Um diese Gemeinsamkeit zu illustrieren, sei daran erinnert, daß es Deuterojesaia ist, von dem die Missionsidee stammt, mit der das religiös-liberale Judentum dem Zionisten im IQ. Jahrhundert zum Stein des Anstoßes wurde. Es ist jene Missionsidee, die wir im Gegensatz zu jeder kirchlichen oder politischen Mission als prophetische bezeichnen. Israel, der Knecht Gottes, ist auf seinem Weg durch die Welt Träger einer Mission. Die unzertrennliche Einheit von Zionsliebe und Weltzugewandtheit charakterisiert die Predigt des Deuterojesaia. Ihr Thema ist die tiefste Einheit von Zion und Mission. Wenn man feststellt, daß das zionistische Hochgefühl vom Jahre 1933 uns Deuterojesaia ins Blickfeld rückte, so muß auch die Frage auftauchen, ob wir in unserer damaligen Stunde alles ausgeschöpft haben, was jener Prophet zu sagen hatte. Es würde einen Vorwurf bedeuten, wenn festgestellt werden könnte, daß uns Jes. 40—55 nur deshalb ein Trostbuch war, weil wir es mit der Brille einer jüdisch-nationalen Ideologie gelesen haben, so daß nur der Zion betreffende, nicht aber der den Knecht Gottes betreffende Text in Erscheinung trat. Aber das liegt hinter uns. Welcher Prophet steht jetzt vor uns? Es ist das Schicksal des messianischen Menschen, in seiner Glaubenskühnheit hochgetragen zu werden und dann den Absturz in der ganzen Schwere zu erleben, die die jüdische Entwicklung der letzten Jahre uns auferlegt hat. Wie unser Hochgefühl messianisch war, so ist auch unsere Tiefstimmung nichts, was nicht zu unserem Schicksal hinzugehörte. Auch zu unserem Niederbruch ist in der jüdischen Geschichte manches Wort gesagt. Der Prophet, der weiß, daß Gott je und je die Taubheit unserer Ohren aufhebt und daß der «Mensch die Stimme Gottes vernehmen kann, empfindet doppelt schwer, wenn die Stimme schweigt in der Stummheit der Nacht, wenn aus der Finsternis kein Laut herüberdringt zu ihm. Man versteht jene Zeit nur, wenn man sich klar macht, zu welchem Höhenflug der Hoffnung Deuterojesaia und andere das jüdische 510

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