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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 508

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Erkel Gawlick
Date
1938-03-01
Page
508 (sequence 6)
Language
German
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Mala haaser ist nur zwei Schritt entfernt. Erkel Gawlick zahlt und geht. Der Fleischerjunge schultert den Speck und läuft ihm wie ein Diener hinterdrein; am Hoftor stellt er den Packen ab, dreht sich auf den Hacken und verschwindet. Erkel Gawlick nimmt den Speck, trägt ihn die Speichertreppen empor, packt ihn aus und legt ihn in eine Ecke. Er weiß nicht, warum er das tut. Wohlig und erleichtert steigt er die Stiegen abwärts, wirft keinen Blick zurück; er ist nicht Lumpenhändler mehr, er hat keinen Wächter, keine Arbeitsweiber, keine Waren, keinen Besitz. Das Tor zum Speicherhof bleibt offen. Erkel Gawlick, wir führen dich. — Sieben Viadukte liegen yor dem .Ziel. Du mußt nicht suchen, du mußt nur gehn. Wir führen dich zu einem alten Haus, geschnitzt das Tor, die Stufen abgetreten von tausend und tausend frommen Gängern. Eine Kuppel wirst du finden, Erkel Gawlick, das Dach der Welt. Überm Eingang schwebt das Bundeszeichen, ein verschlungner Stern, ein Königswappen. Wir führen dich den rechten Weg; hinter sieben Viadukten, unterm Kuppeldach der Welt, wohnt der Herr, der dich beruft. Man sieht ihn nicht, man hört ihn nicht, er ist der Unsichtbare und der Unerlauschbare. Er hat mit deinen Vätern einen Bund geschlossen, du bist ein Glied im Kreis der Erben. Erkel Gawlick, besinne dich! Warst ein schlechter Erbe, Erkel Gawlick, aber sieh, wir führen dich. Wir sind die letzten Boten, Stimmen aus dem Staub. Wir öffnen deine Taubheit, Erkel Gawlick, wir bringen dir den Ruf des Unerlauschbaren. Wir mahnen dich, wir mahnen dich. Du bist ein Jude, Erkel Gawlick, und dieser Weg zum Herrn ist die letzte Schuld, die du begleichst. Wir sind die Boten, wir weisen den Weg; rasch, daß du dich nicht versäumst. . . Erkel Gawlick ist am Ziel. Das Tor zum Haus des Herrn steht offen. Zaudernd grüßt er das Wappen überm Eingang. Im Rücken spürt er schon den düsteren Verfolger, den Mantel hört er knatternd wehen, Schritte hallen, klar und ohne Hast. Er möchte sich noch prüfen, möchte forschen, ob er ehrlich diese letzte Schuld bezahlt. Er hat Menschen nie betrogen, und so will er auch in letzter Stunde den Allerhöchsten nicht betrügen; er fühlt, daß man den Herrn betrügt, wenn man nur aus Todesfurcht sich vor ihm beugt. Darum lauscht er rechtlich auf die Schritte hinter ihm. Packt ihn Furcht? Wird er eilends stufenaufwärts stolpern, atemlos in Gottes Wohnstatt fliehen? Wird er beten, feig und gemartert um Gnade flehn? Nein. Langsam geht er durch das alte Tor, gerufen und geleitet und gemahnt. Ein Leben lang hat er sich nicht Zeit genommen, sein Erbe anzutreten und den alten Gott in seiner Wohnstatt aufzusuchen. Jetzt, am Ende, nimmt er sich von 508

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