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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 501

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Der Psalter
Date
1938-03-01
Page
501 (sequence 9)
Language
German
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Der Psalter 300 Jahren mehr Menschen sich an den Schlacken als an dem Feuer dieser Glut erwärmen. Was war ihr Reichtum und was war ihr Glaube? Daß sie wußten, daß durch alle, die sprechen, Gott spricht, durch die Großen gewiß, aber durch die Kleinen erst recht. Das ist der Unterschied zwischen ihrem Werk und dem Drama. Das künstliche Drama duldet nur eine Stimme, und ihre Begleitstimmen folgen ihr in wohlerwogenen Abständen; die natürliche Wirklichkeit dagegen spricht mit vielen Stimmen, die gar nicht immer zueinander passen; jenes kann daher auf seiner höchsten Stufe schön werden, diese wird in ihrer reinsten Wiedergabe wahr. Dürfen wir nun noch einmal, mit fähigeren Organen, vor den Psalter, das andere Fünfbuch, treten, den wir vorhin mit Hölle, Fegefeuer und Paradies unzulänglich genug verglichen? Jetzt kann gesagt werden, warum der Vergleich unzulänglich war. Wir haben fünf Akte des Dramas Mosis gesehen und haben erfahren, daß es nur wie ein Drama ist; es direkt zu benennen, fehlt uns das Wort. Wir werden hier lernen, daß der Psalter w i e eine Divina Comedia ist; in Wahrheit ist er — ein Gebet. Denn nicht durch noch so lebhafte seelische Höllen und Paradiese führt sein Weg unsere Gedanken, sondern wir gehen ganz leibhaftig, ganz persönlich den Weg des Psalters mit. I. 1, 5, 8, 9, 13, 14, 22, 23, 24, 28, 32—36 sind aufgebaut über dem Thema vom Gottlosen und vom Gerechten, von den Bösen und von den Guten, von der Zerknirschung und Demütigung, über die sich der 38. Psalm hinaushebt mit seiner Erkenntnis, daß die Strafe des Herrn verdient ist. Die Psalmen 19 und 29 stehen dazwischen wie reine Sammelbecken, die schon einmal die ganze Fülle des Psalters vorwegstauen. II. Psalm 42 und 43 gehen auf die Suche nach Gott, die Psalmen 46 und 47 werden stark in der Zuversicht, und deshalb weitherzig bis hinaus auf alle Völker. 50 und 51 wissen von dem neuen Geist, und 52, 56 und 57 verleihen der einzelnen Sündigkeit, dem einzelnen Sünder und der Hoffnung des Einzelnen Ausdruck. Mit Psalm 65 tritt zuerst die Natur in den Gesichtskreis des Psalmisten. III. Psalm 75, 77 und 81 erfassen in voller Breite die geschaffene Natur, 78 und 79 ziehen Jerusalem und die Geschichte in die Bewegung hinein. Der Atem des über seine Person Hinausgehobenen geht freier und in 84—86 stehen daher die großen Gebete. 89 verkoppelt Natur und Not. IV. Beginnend 90 mit dem Lied Mosis, bezieht dies Buch zuerst die Natur auf den Menschen, 90 und 92, dann die Natur auf Gott, 93; 95—97 findet alles Kreatürliche in ihm den Schöp- 501

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