Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 12 (März 1938)
- Article
- Der Psalter
- Date
- 1938-03-01
- Page
- 496 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Rudolf Hallo wissen, wenn man ihn schon nicht in offenbarte Anweisung oder in literarische Wißbarkeiten setzen will. Jedoch statt den Grund aufzusuchen, kann man auch zuerst nach dem Erfolg der Teilung, also nach dem Inhalt der fünf Teile des Psalters fragen. Offenbar enthalten die Bücher weder gleiche Stoffmengen noch gleiche Psalmenanzahlen (das IV. Buch ist 19, das V. 40 Druckspalten lang; das II. Buch enthält 30, das III. 16 Psalmen)3). Am wenigsten aber gleichen sich die fünf Bücher in der Art ihrer inhaltlichen Füllung. Luther hat es schön ausgesprochen, welcher Art der Inhalt des Psalters ist. „Erstlich etliche Psalmen weissagen, zum andern sind etliche Psalmen Lehrpsalmen, zum dritten sind etliche Trostpsalmen, zum vierten sind etliche Betpsalmen, zum fünften sind etliche Dankpsalmen", und weiter: „doch soll man wissen, daß die Psalmen nicht so eben und genau in solche Stücke mit allen Versen zu teilen sein sollten, denn zuweilen in einem Psalm dieser Stücken zwei, drei oder wohl alle fünfe gefunden werden und ein Psalm in alle fünf Teile gehöret, daß man Weißung, Lehre, Trost, Gebet und Dank nebeneinander hat". Wenn wir uns diesen kunstlos reichen Worten (die, wie betont sei, nicht die fünf Bücher charakterisieren wollen, sondern den Gesamtinhalt des Psalters) anschließen, so wollen wir damit sogleich der Mißdeutung vorbeugen, als ob wir in jedem einzelnen Psalm die Idee des Gebets gestaltet sähen, weil wir im ganzen Psalter ein Gebet sehen. Nach dem allen kommt es also darauf an, den Gehalt der fünf Teile scharf zu fassen. Vielleicht begreift man dann auch, weshalb die fünf Teile in dieser und keiner andern Reihenfolge stehen und warum beim Sammeln oder Redigieren (um zwei beliebte Fragen aufzugreifen) ein weiterer Psalm in dieses oder jenes Buch eingeordnet wurde. Denn gerade hier reichen alle bisherigen formalen Erkenntnisse zur Erklärung des Tatbestandes schlechterdings nicht aus. Zugegebenermaßen erfolgte die Zuordnung eines weiteren Petenten in die werdende Sammlung weder immer nach Autorschaft, noch nach Alter, noch nach Zweck, so wenig sich auch verkennen läßt, daß diese Lieder nicht alle einzeln Einlaß begehrten, sondern auch dann und wann in geschlossener Gruppe antraten und — eintraten (Stufengesänge u.a.). Wonach also denn sonst, da doch Willkür gewiß kein Zuordnungsprinzip sein kann? Es ist keinem entgangen, daß am Ende des fünften Psalterteiles, also am Ende des ganzen Buches, Preisgesänge stehen. Es ist fast allen — außer jenem Eichhorn, dessen Schüler in biblischen Fragen zu sein Goethe dankbar bekennt — entgangen, 3) Über die Kontroversen, ob 147 oder 150 Psalmen zu zählen sind, berichten die Kommentare. 496