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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 495

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Der Psalter
Date
1938-03-01
Page
495 (sequence 3)
Language
German
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Der Psalter ordnet, zu schönen Formen auseinanderlegte. Denn an dieser Kraft haben wir etwas vom jüdischen Geist. Gerade darum, weil das „Alte Testament" aus vielerlei Bausteinen besteht, gehörte ein Geist dazu, aus ihnen eine Form zu machen. Das Alte Testament als Buch (das Wort ganz unproblematisch genommen) ist eine Leistung, und zwar eine um so größere, wenn sie absichtslos wurde. Wollten wir uns der bequemen Terminologie bedienen, so handelt es sich hier bei unserer Frage um die Konstituierung des Kanons. Aber Kanon (ganz gleich, ob Kanon der ganzen Schrift oder Kanon der 150 Psalmen) darf dann nicht nur von außen betrachtet werden, d. h. als Abschluß gegen Nachschub, der noch zugelassen werden will, sondern der Kanon muß von innen her als der Reif betrachtet werden, gegen den die eingehegte Fülle von der Mitte her andrängt und an dem sie brandend ausläuft. In diesem Sinne ist der Kanon die Kontur dessen was er einschließt, nicht die Stoßfläche dessen, was er ausschließt, also eine Haut, kein Panzer. Am Psalter besprochen heißt das: nicht bloß fragen, wer die einzelnen Psalmen verfaßt oder redigiert hat, wann und zu welchem Zweck sie verfaßt sind — das alles sind erlaubte nützliche Fragen, auf die die altjüdischen traditionellen Überschriften: „von David, als er vor Absalom floh" oder „Stufengesang" oder „Lied der Kinder Koran" lediglich die frühesten uns erkennbaren Antworten sind, die man versuchte — sondern dann fragen: welcher Geist diese an sich ungeselligen, zeitlich, zwecklich und menschlich verschiedenen Psalmen in jene Ordnung der 150 Lieder gestellt hat, in der sie erst den Psalter bilden. Dem Psalter als Ganzem sind alle bisherigen Fragen nicht gerecht geworden, geschweige denn seiner Fünfteilung2). (Freilich auch nicht einmal alle Beter. Sowohl die jüdische Septuaginta, d. h. die griechische Bibel, wie die christliche Peschitto der Syrer erschlägt die heilige Anspannung des Psalters durch einen 151. Psalm, der alles Vorausgehende gleichsam zu einer magischen Litanei degradiert: eine hohle Ruhmredigkeit 'Davids' mit dem Schlußvers „geköpft habe ich den Heiden und weggenommen die Schmach von Israel".) Welchen Sinn verbindet man denn mit der Feststellung, daß der Psalter nach der Weise der Tora in fünf Bücher geteilt ist? Etwa, den, daß seine buchmäßige Länge in derselben Proportion gestückelt ist wie die Länge der Tora, oder den, daß der Psalter Genesis, Exodus usw. hat? Ist es nicht besser, nach einem vernünftigen Grund für die übertragene Anwendung der Fünfteilung zu fragen? Freilich müßte mann dann den Grund für die Fünfteilung der Tora zuvor 2) Früheste Erwähnung der Fünfteilung nach Brüll (Jahrbücher 1879) in Traktat Kidd, 33a, um 175 n.Chr. 495

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