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Der Morgen · 1938-03-01 · Heft 12 (März 1938) · p. 494

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 12 (März 1938)
Article
Der Psalter
Date
1938-03-01
Page
494 (sequence 2)
Language
German
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Rudolf Hallo sehe Tradition scheint nicht mehr zu wissen, als daß die Fünfteilung nach der Fünfteilung der Bücher Mosis erfolgte: Psalter und Tora keneged, d.h. vis-ä-vis, Zug um Zug einander gegenüber (Midrasch Till c. 1); oder daß die Sammlung aus fünf Einzelsammlungen zusammengewachsen sei. Was die Tradition mehr, ja eigentlich allein beschäftigt, ist die Frage nach den Verfassern der Psalmen, nach jenen zehn Männern — zehn Stimmen vereinigen sich zum Hallelujah des 150. Psalms —, auf deren Anweisung (al jede) David das Psalterbuch geschrieben. Zehn Männer demnach, die in der Zeit vor David zu suchen waren, und unter denen für Davids Sohn, Salome», nur schwer noch Platz blieb. (Sein Name steht über dem 72. Psalm)1). Ich lasse das alles auf sich beruhen. Es lenkt nur ab von der gewichtigen Frage nach dem Sinn der Fünf. Die Auskünfte, die bisher geboten wurden, reichten nicht aus. Die erste zwang nur, zu fragen, worin denn außer in der Fünfzahl die Ähnlichkeit der Teilung des Psalters und der Tora eigentlich bestehe, da die Konstatierung des bloßen Sachverhalts doch nur die in Erscheinung tretende Wirkung des Teilens beschreibt; die zweite Auskunft veranlaßt nur, daß unsere anfangs ausgebreitete Fragenreihe auf kleinere Objekte gerichtet und dementsprechend — verfünffacht wird. Und doch ist das Problem, das uns der Psalter als Buch — und die ganze Sammlung der heiligen Schriften zur Bibel als einem Buch — stellt, mindestens für den Juden das Wichtigste. Denn wenn irgendwo, muß sich im Charakter dieser Sammlung der Charakter echter Juden spiegeln. Es ist unsere Aufgabe, dann — wenn alle Quellen, alle Schichtungen, alle Verfasser, alle Bearbeiter, die biblisch zugegebenen wie die wissenschaftlich ermittelten, herausgearbeitet sind — dann zur Krönung der Arbeit den jüdischen Geist festzustellen, der diese mannigfachen verschiedenartigen Werkstücke zu dem Bau der Bibel zusammenfügte. Denn das wahre Ziel der Arbeit an der Bibel ist nicht die literarhistorische Bereicherung unseres Wissens, sondern eine begründete, ins Leben wirkende Einsicht in das Einzigartig-Jüdische dieser Heiligen-Schrift-Sammlung. Wenn sich vor dem überschärften aber engen Blick des kritischen Betrachters die Schriften der Bibel in ihre Elemente auseinanderlegen, so darf doch vor seinen klaren Augen das unzertrennte einheitliche Bild der Schrift niemals verloren gehen. Deshalb gilt es, die Kraft zu fassen, die in die bindungslosen Stücke fuhr und sie, wie ein elektrischer Strom, der wirre Eisenspäne auf den Linien seines Kraftfelds J) Der Name Mosis, der über verschiedenen Psalmen steht, soll dem Aben Ezra Anlaß gegeben haben, diesen Moses als einen Sänger aus dem Chor des David zu erklären. 494

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