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Der Morgen · 1938-02-01 · Heft 11 (Februar 1938) · p. 455

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 11 (Februar 1938)
Article
Martin Buber
Date
1938-02-01
Page
455 (sequence 3)
Language
German
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Martin Buber hat, der weiß, wie stark und voll der Ruf der Erneuerung von ihm zu ihnen gedrungen ist; er ergreift die Herzen und öffnet sie dem Einstrom jüdischen Lebensgefühls. Zugleich aber, weit erwirkend wie alles wahrhaft Eigene und Echte, erstreckt der mächtige Zugriff dieses Geistes sich in die allgemeine Welt; dem religiösen wie dem sozialen Verlangen der Zeit spricht Buber in neuen Wendungen und mit tieferen Zielsetzungen zu. Dem suchenden Einzelnen gibt er neuen Mut und größere Klarheit, der harrenden Gemeinschaft neue Bindung und reinere Gewißheit. In das allgemeine Leben graben sich die Spuren seines Wirkens bis in den Stil der Sprache unverlöschbar ein. Von der ersten eigenen Quelle her, die sich dem jüdischen Menschen erschlossen hat, und von vielen fremden Quellen aus, die der Forscher sich erarbeitet, geht Buber den Weg des Denkers weiter; mit seiner nun nicht mehr aussetzenden Arbeit im Jüdischen verbindet sich das wachsende Werk, vielgestaltet in Rede und Schrift, an die Menschen der Zeit gerichtet. Was an Bubers Weg als eigentümlich auffällt, ist, daß er aus der Einsamkeit des Mystischen in die helle Zweisamkeit von Ich und Du hinausführt. Gewiß war die Mystik des Chassidismus, mit ihrer Besonderheit gerade einer jüdischen Mystik, für Buber eine Eingangspforte zu seiner vertieften Erkenntnis jüdischen Seins, und gewiß sind in ihm stets auch die mystisch-religiösen Stimmen der Völker in reinem Widerhall aufgeklungen; aber eben das Jüdische mußte ihn aus der Mystik hinausführen. Die klaren Zeichen am denkerischen Weg Bubers sind die Bücher „Daniel" und „Ich und Du", anhebende Kapitel eines philosophischen Systems, das zu seiner Zeit ausreifen und sich gestalten mag. Entscheidend ist darin das unbeirrte Hineinschreiten in die Wirklichkeit und die aufgeschlossene Begegnung mit allem, was im Raum des Lebendigen ist, die Einsicht in das Wesen der echten Zwiesprache und die Erkenntnis, daß kein Monolog — und wäre er der tiefstschürfende — wirklich und wahrhaft zu Mensch und Welt und Gott zu führen vermag. In dieser reifen Zeit seines Lebens ist Martin Buber der Lehrer geworden: im Jüdischen Lehrhaus und an der Universität haben sich Schüler um ihn versammelt. Da aber trifft ihn, inmitten der Breite und Weite der geistigen Arbeit, im Schaffen an neuen Organen öffentlicher allgemeiner und jüdischer Aussprache („Die Kreatur", „Der Jude") der neue Auftrag. Bereit von jeher durch die Treue und den strengen Ernst, mit denen er allem Wort sich naht, wird er zum zweiten Male zu den Quellen geführt: er unternimmt gemeinsam mit Franz Rosenzweig die Übertragung der Heiligen Schrift. Wiederum ist, was ihm in der Wortwahl und in der Entdeckung des sinnbindenden Leitwortstils der Schrift, in der Aufhellung des Verdunkelten und 455

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