Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1938)
- Article
- Martin Buber
- Date
- 1938-02-01
- Page
- 456 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Martin Buber Überdeckten und im Erlautenlassen des ewig gesprochenen Wortes gelingt, neugeschenkte Gabe jüdischen Erbgutes. Der Beauftragte wird im großen Verstände zum hingegebenen Diener. Dem Wirken an der Schrift entwächst das groß angelegte deutende Werk vom „Kommenden": in die Herzmitte jüdischen Lebens greift Buber mit seinem „Königtum Gottes". Dieses der strengen Wissenschaft verpflichtete Werk ist das einzige, das heute den Namen einer jüdischen Theologie verdient. Und wieder hebt ein neues Lehren an: nun ganz und gar in der Zwiesprache lebendig, nun — man kann es nicht anders benennen — gerade vor der aufhorchenden Jugend ein wirkliches Hinführen der Söhne zu den Vätern. Ein neuer „Zugang zum Urgut" hat sich aufgetan. Dieser Ruf zu den Quellen und dieser zweite große Lebensauftrag, der an Martin Buber ergangen ist, ist nicht der letzte. Aus der Zeit, in der das einstige Ringen des Jünglings um die Seele seines Volkes einen neuen, vom Schmerz durchglühten und gehärteten Sinn bekommen hat, in der aus dem Leid der Gemeinschaft an den im schwersten Alltag jüdischen Lebens Beharrenden aus Menschenmund der heischende Ruf tönt: „Tröste mein Volk", — aus dieser Zeit kommt für Martin Buber der dritte große Auftrag. Wieder führt er in letzter Entscheidung zu den Quellen: diesmal nicht in die Heimat seiner Kindheit zurück, nicht auch in die ewige Heimat jüdischen Sinnes hinauf und doch an den Ort der Bestimmung, der beides im heiligen Schöße hütet und im Tiefsten birgt — zum Volk im Lande Israel. Abermals wird, wir ahnen es, neue Lehre von ihm ausgehen. Mit dem Worte, das er dort in der heiligen Sprache der Väter sprechen wird und das all dieses großen Lebens Sinn und Auftrag zusammenklingen lassen mag, weil es stets Antwort bleibt, wird Martin Buber, unser Lehrer, den Weg weiterschreiten zum Ziel: zur Lehre vom Menschen. Martin Buber: Worte dtl die Zeit Ich erkenne und preise den ewigen jüdischen Geist. Ich ersehne und erhoffe eine neue jüdische Schöpfung. Aber jener und diese können nicht angestrebt, nicht eigentlich gewollt werden. Was wir wollen, geht nicht auf Geist und nicht auf Schöpfung, es geht ganz gewiß nicht auf „Kultur": es geht auf das Leben. Wir wollen das jüdische Leben umgestalten; das heißt: wir wollen aus dem Leben von Juden ein jüdisches Leben machen. (,£ion als Ziel und als Aufgabe") 456