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Der Morgen · 1938-02-01 · Heft 11 (Februar 1938) · p. 454

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 11 (Februar 1938)
Article
Martin Buber
Date
1938-02-01
Page
454 (sequence 2)
Language
German
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Eduard Strauß Franz Rosenzweig der Fall war, gestaltet sich in Martin Buber der europäisch-jüdische Mensch. Anders aber als jener nimmt der Ältere, der Zeit und ihrer jüdischen Bewegtheit entsprechend, am jüdischen Leben tätigen Anteil. In der Wirkungssphäre Theodor Herzls, jedoch in durchaus eigener Weise bekennt Martin Buber sein Judentum als Zionist; immer stärker, mit heute noch spürbarer Betonung wirkt er im Zionismus als einer Renaissancebewegung des Judentums, nicht als einem bloß politischen Parteigebilde. Buber steht zusammen mit Achad Haam, Weizmann, Feiwel in den Kämpfen der zionistischen Anfänge um die Wiedererweckung des jüdischen Volkes und um die geistige und seelische Vertiefung der Bewegung. Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland — darum geht es ihm und dem Kreis der Gleichgesinnten in jenen Tagen; was man mit dem Worte „Kulturzionismus" viel zu schwach und kaum erschöpfend bezeichnet, ist der erste, noch nicht in ganzer Schallstärke vernehmbare Name einer Berufung. Aber wohl hörten schon damals auch Bubers Gegner in seinem zum inneren Neubau drängenden Wort den Mahnruf des Berufenen: daß aus der Quelltiefe des politischen Willens ein stärkerer, heißerer Strom entspringen solle, dem es Bahn zu machen gilt, — der Wille des jüdischen Geistes. Bubers erstes Sichherausstellen im jüdischen Leben wird nach Herzls Tode unterbrochen; versöhnendes Licht überstrahlt noch — es ist für Buber kennzeichnend, wie das geschah — den Gegensatz zwischen ihm und dem großen, in vielem fast unjüdischen Erwecker des jüdischen Volksbewußtseins. Als führe ihn eine starke Hand und ein ausgestreckter Arm, wendet Buber sich zu den Quellen seiner Heimat zurück. Hinter einem Schleier von Verkennung entdeckt er den Reichtum und die reinen Züge der letzten großen jüdischen Bewegung des Galut: des Chassidismus. Hier wird erstmalig die besondere Art der Berufung deutlich. Sie führt zu den Quellen; sie bindet den großen Ernst und die eigne Treue des Mannes an das aufrauschende Wort; sie heißt ihn lehren. Noch wird Buber nicht der Lehrer der späteren Zeit, aber er beginnt zu sagen, was ihm am jüdischen Sein offenbar geworden ist. Er sagt es der Bewegung, dem Judentum der Zeit und der Welt. Mit seinen ersten Büchern aus dem chassidischen Lebenskreis ist Buber zugleich vor die europäische Umwelt hingetreten. Wenn er auch in der zionistischen Bewegung und für sie dauernd in der Richtung seines geistigen Anhebens weiterarbeitet und dabei über alle bloße Politik hinaus die ihm eigentümliche, von der Sicht auf Israels wahre Zukunft her weihende Wirksamkeit entfaltet, — in jener Zeit treibt ergangener Ruf und Auftrag, weiter. Buber spricht zu allen jungen jüdischen Menschen. Wer es miterlebt 454

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