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Der Morgen · 1938-02-01 · Heft 11 (Februar 1938) · p. 453

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 11 (Februar 1938)
Article
Martin Buber
Date
1938-02-01
Page
453 (sequence 1)
Language
German
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Eduard strauß: Martin Buber Werke der Forschung und des Denkens, Gebilde der Kunst und Gestaltungen der Dichtung können rein als Gegenstände, ohne Ansehung des Menschen betrachtet werden, der sie hervorgebracht hat. Mancherlei besitzt die Menschheit auch, dessen Urheber im Zeitstrom der Geschichte verschollen ist; und wenn die Menschen zu jenen Werken Namen ihrer Schöpfer finden oder erfinden, dann geschieht das, um wenigstens einem Sinnbild gegenüber ihrer Dankesschuld sich zu entledigen, um mit dem Inbegriff einer Person — sie können es anders nicht — einen dauernden Wert ihres Lebens zu weihen. Die Notwendigkeit, des schöpferischen Menschen zu gedenken, besteht — aber sie besteht nicht immer und nicht überall. Es gibt jedoch Lebenswerke — dieses Wort in seinem vollen Sinn verstanden —, deren Eigentümlichkeit und besonderer Wert gerade in ihrer Unablösbarkeit von dem sie wirkenden wirklichen Menschen gegründet ist, getane Werke, deren Sinn und Dasein ohne ihren persönlichen Täter weder denkbar noch möglich wäre. Gleichviel, ob ein solches Werk von der mitlebenden Gegenwart erfaßt oder erst in einer fernen Zukunft verspürt wird: nie und nimmer kann es in der Weise objektiv und anonym werden, daß sein voller Gehalt und die ganze Kraft seiner Gabe dem persönlichen Dasein losgelöst wird, dem es entsprang. Hier wird nicht das Subjektive gemeint, das alles menschliche Tun im kleinsten wie im größten mitbestimmt, sondern das Übergeordnete, das diese Lebenswerke von allem sonstigen noch so großen Wirken abhebt und wesentlich an eine Menschenperson bindet: das ist, daß in ihnen ein an diese und keine andere Person ergangener Auftrag sichtbar wird. Mit- und Nachlebende erfahren es so, und der wirkende Mensch selber spürt es in seinen höchsten, seinen schwersten und verantwortungsvollsten Stunden, daß er ein Beauftragter ist. Wir Menschen dieser Zeit, Juden einer schweren, randvoll mit Verzweiflung und Hoffnung angefüllten Weltstunde, nennen Martin Buber einen Menschen des Auftrags mitten unter uns. Bereits in den Anfängen dieses Lebens wird deutlich, daß da nichts aus der bloßen Willkür eines begabten Einzelnen geschieht. Die hebräische Sprache ist Buber von Kindheit her ins Herz gelegt; jüdisches Leben des Ostens erfährt er mit dem kaum schon verstehenden, aber in die Tiefe des Bewußtseins hinabnehmenden Blick des jungen Menschen. Westliche Bildung in weiten Räumen des Geistes, der Wissenschaft, der Kunst nimmt ihn auf. In manchem ähnlich, wie es bei dem späteren Weggenossen, dem im assimiliertesten Westen aufgewachsenen 453

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