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Der Morgen · 1938-01-01 · Heft 10 (Januar 1938) · p. 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 10 (Januar 1938)
Article
Das Hirtenlied
Date
1938-01-01
Page
429 (sequence 2)
Language
German
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Julius Bab: Das Hirtenlied Steppenlandschaft, am Rande eines Brunnens, im Schatten des Feigenbaums; Labans Hirten drängen mit den Herden heran, ein wunderschönes Mädchen eilt herbei: es ist Rahel. Da wälzt der Künstler den schweren Stein vom Brunnenrand, und als ihn Rahel als Jacob begrüßt, wirft er sich ganz in die erträumte Gestalt hinüber: er ist Jacob geworden! Dieser Übergang vom Leben in den Traum, die Überwältigung des reifen, ingrimmigen Mannes durch den Genius wird uns durch Verse vermittelt, deren Kraft hier stärker scheint als irgendwo sonst bei diesem Dichter. Ganz besonders in jenem ersten Zwiegespräch mit dem Engel, das stahlharte Zeilen gegeneinander hämmert, ist die Verzweiflung des Künstlers mit furchtbarer Wucht ausgedrückt: Der Künstler: Mich hungert! ich bin schwach! Der Engel: Steh auf! geh aus! und suche dir dein Brot! Der Künstler: Ich mag nicht! Der Engel: Wer zu träg ist, aufzunehmen, was Gott der H err zur Nahrung ihm bestimmt... Der Künstler: Das Brot, das in dem Kot der Straße liegt, ist mir zum Ekel. Bücke sich, wer will, es aufzuheben. Weiß mir Gott im Himmel nicht reinere Speise, meid ich seinen Tisch. Der Engel: Du sündigst! Der Künstler: Nein. Gott sündigt, und nicht ich. Der Engel: Du lästerst! Der Künstler: Nein, Gott lästert, und nicht ich. Wo hat ihm einer treu wie ich gedient? Ich hab ihm rein bewahrt die reine Flamme, warum versagt er mir das heilige Öl? [nähren. Mit Talg von Schweinen mag ich sie nicht In voller künstlerischer Kraft entfaltet sich auch durch alle Stadien hindurch die Wanderung und Wandlung in die schöne Welt der Hirten hinein, und schließlich der Durchbruch des verwandelten Gefühls, wenn Rahel den Künstler als Jacob begrüßt hat: Je nun, was ich dir bin, das will ich sein! Ward je ein König so wie ich empfangen?! — O Rahel, hat dein Gott mich so geführt, so darf ich auch den Namen nicht verleugnen, den er mich tragen heißt: Ich bin's! bin Jacob! Nur bis hierher ist Hauptmanns Gedicht in völlig geschlossener Form geführt. Dann folgt eine große Reihe von Fragmenten, die einen reichen Einblick geben in das, was sich anschließen sollte: der zweite Akt gehört dem Empfang Jacobs bei Laban und gibt dann in ein paar Szenen die sieben Jahre, in denen Jakob in immer 429

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