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Der Morgen · 1938-01-01 · Heft 10 (Januar 1938) · p. 413

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 10 (Januar 1938)
Article
Das letzte Kapitel
Date
1938-01-01
Page
413 (sequence 4)
Language
German
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Das letzte Kapitel kam, war derPolicy Commissioner Bingham seines Amtes enthoben. Es war der erste und entscheidende Sieg der osteuropäischen Taktik über die der Jahudim aus Deutschland. Andere folgten ihm. Die Jahudim als Gruppe haben ausgespielt, — das ist die Tendenz des Aufsatzes über die Bedeutung der Juden aus Deutschland für das jüdische Leben in Amerika, dem wir bisher gefolgt sind und der folgendermaßen schließt: „Aber zum hohen Lobe der Juden aus Deutschland in Amerika muß gesagt werden, daß manche von ihnen Fahnenträger des Zionismus wurden und viele als Non- Zionists in die Agency gingen. Sogar in den Augenblicken des Kampfes haben wir, die 'revolutionären' unter den osteuropäischen Juden, nie vergessen, daß wirs mit aufrechten und in ihren Überzeugungen wahrhaftigen Menschen zu tun hatten, voller Würde in ihrem Verhältnis zur Gesamtheit, voller Noblesse in ihren Absichten. Die Geschichte der Juden in Amerika wird stets mit Stolz die Namen von Jakob Schiff, Julius Rosenwald, Nathan Strauß, Louis Marshall, Felix Warburg u. a. nennen. Sie haben den jüdischen Namen in diesem Lande sicherlich erhellt. Werden in Zukunft unter den Juden aus Deutschland in Amerika noch solche Figuren erscheinen?" Der Verfasser dieses Aufsatzes, der jiddische Publizist Gedalja Bublik, ist in bezug auf die „Jahudim" Partei. Gegen ihn wäre einzuwenden, daß die Schichten, von deren Auseinandersetzung er spricht, so scharf nicht unterscheidbar sind, daß schon immer die zweite Generation im Lande die Unterschiede verwischt, daß oft von Juden „aus Deutschland" die Rede ist, die selbst und deren Eltern schon in Amerika geboren und aufgewachsen sind, daß es auch „Jahudim" aus Warschau, Petersburg oder Baranowiczi gab und gibt, daß gerade in Fragen der Reform die zweite Generation der Ostjuden auch ihre Rolle gespielt hat und spielt, daß nur ein Bruchteil der Juden aus Deutschland „Fifth Avenue" geworden ist und vieles mehr. Aber seine Konzeption haftet trotzdem, und der Eindruck „Letztes Kapitel" bleibt. Es ist eine unblutige und wahrscheinlich wenig bewußte Tragödie, für den richtigen Betrachter aber darum nicht minder tragisch, wenn man sie historisch einzuordnen versucht. Es ist eine Tragödie, wenn der in vielen Werten überlegene Teil unterliegen muß. Sie historisch einordnen heißt: feststellen, daß die Gruppe der „Jahudim" in der jüdischen Geschichte immer wieder vorhanden war und immer wieder unterlegen ist. Wenn man will, kann man beim Auszug aus Ägypten anfangen und die Gruppe von Juden, denen es gut ging, die Gruppe der Fleischtöpfe, Jahudim nennen; sie mußten mit in die Wüste. Zur Makkabäerzeit waren sie die Hellenisten, die einflußreiche Partei, ohne die (wie Bickermann jetzt nachweist) die ganze Geschichte nicht mehr jüdisch geworden wäre; 413

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