Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1938)
- Article
- Am Wendepunkt
- Date
- 1938-01-01
- Page
- 408 (sequence 4)
- Language
- German
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Arthur Prinz reichen. Aber die Summen, die dem jüdischen Volk für nationale und soziale Zwecke zur Verfügung stehen, sind nicht unbegrenzt, während tausend Nöte zum Himmel schreien und ein großer Teil der vorhandenen Mittel sicher für Berufsumschichtung, Wanderung und Siedlung auch in andern Ländern als Palästina verwendet werden muß. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: wir wiederholen, und es ist für den Schreiber dieser Zeilen eine Selbstverständlichkeit, daß Palästina im Mittelpunkt jüdischen Fühlens und Denkens stehen muß, und daß auch politisch und wirtschaftlich das Menschenmögliche zu geschehen hat, um seine Sicherheit und Entfaltungsfähigkeit zu gewährleisten. Aber wenn nicht kostbarste Zeit und vielleicht unwiederbringliche Chancen v erloren gehen sollen, müssen wir uns endlich von Illusionen frei machen, die in mehr als einem Sinne „teuer" waren. Wer in der heutigen Welt stärkster Dynamik nicht die gegebenen Tatsachen erfaßt, ist bedroht, wenn nicht verloren. III. Wir hoffen von ganzem Herzen, daß England nach seinem immer wiederholten Zögern möglichst bald zu einer Entscheidung der Palästina-Frage kommen wird, und zwar zu einer Entscheidung, die den Interessen der Judenheit unter den gegebenen Umständen in möglichst weitem Umfange entspricht. Daß bis zu dieser Entscheidung der jüdische Einfluß durch die berufenen Stellen mit aller Kraft eingesetzt und durch eine geschlossene Haltung der Öffentlichkeit gestärkt werden muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Andererseits aber muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß England für das jüdische Volk nicht nur in Palästina der gegebene Partner ist, sondern daß ein möglichst gutes Verhältnis zum Britischen Weltreich auf absehbare Zukunft ein vitales jüdisches Interesse darstellt. In einer Zeit, in der die Judenfrage mehr und mehr zu einem brennenden internationalen wirtschaftlichen und politischen Problem wird, muß man sich bestimmte Zusammenhänge klar vor Augen halten. Die Gleichberechtigung der Juden ist nirgends in der Welt vollständiger durchgeführt als in den Ländern des Britischen Empire. Es kommt hinzu, daß England aus einer mehr als hundertjährigen Tradition heraus sich als Schutzmacht der Juden auch außerhalb Palästinas fühlt und diese Einstellung mehrfach praktisch betätigt hat. Nicht zuletzt aber bietet das Britische Weltreich durch seine großen, der Kolonisierung erst noch harrenden Räume gerade bei seinem eigenen Geburtenrückgang einer qualifizierten jüdischen Einwanderung noch Möglichkeiten, die wir uns unter keinen Umständen verscherzen dürfen. Auf der andern Seite aber können auch die Juden ihrerseits England mehr bieten als irgendeiner an- 408