Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1938)
- Article
- Am Wendepunkt
- Date
- 1938-01-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
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Arthur Prinz der Zionisten, einschließlich der führenden Kreise, vor der geschilderten Alternative selbst die Augen zu verschließen und die Gegensätze zwischen den Ansprüchen des Zionismus und dem Willen der Araber durch „eine hauptsächlich wirtschaftliche und ungeschichtliche Betrachtung der Lage" zu verwischen —etwa mit dem Argument, die arabische Bevölkerung habe ja von der jüdischen Einwanderung so viele wirtschaftliche Vorteile, daß sie dem Zionismus dankbar sein müsse. Auch mit Martin Bubers wohlklingenden Reden über „den Heroismus der Arbeit" und den erstrebenswerten „gerechten Bund" zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk geht Grabowsky scharf ins Gericht: „Im Kampf um die jüdische Einwanderung, also um die Judaisierung Palästinas, liegt die Realität der jüdisch-arabischen Beziehungen. Keine noch so schöne Ethik des Zionismus wird die Araber dazu veranlassen, einverstanden zu sein mit einer Immigration, die das Nationalitätenverhältnis im Lande wahrhaft umgestaltet, indessen der Zionismus, will er eine Sache der Scholle sein und nicht nur eine der Idee und der literarischen Diskussion, auf eine entscheidende Erhöhung des zionistischen Prozentsatzes in Palästina nicht verzichten darf. Kein Gerede vermag über diesen Konflikt hinwegzutäuschen,... hier entscheidet die Macht, nichts anderes." Dieser Diagnose entsprechend ging Grabowskys Prognose dahin, der Zionismus habe bereits in den ersten Nachkriegs jähren seine große Stunde versäumt und besitze nun keine weltgeschichtliche Zukunft. Die Juden müßten lernen, wie Geschichte gemacht wird, ehe sie vielleicht einmal ihr eignes politisches Geschick gestalten könnten. II. Durch ein einzigartiges Zusammenwirken von Umständen, zu denen vor allem die nationalsozialistische Revolution in Deutschland und die Weltwirtschaftskrise mit der jahrelangen Abschließung der wichtigsten überseeischen Einwanderungsländer gehörten, hat sich in den acht Jahren, die seit Abfassung jenes Aufsatzes vergangen sind, die Zahl der Juden in Palästina fast verdreifacht, und der jüdische Einsatz an Menschen und Mitteln, an Leistung und Liebe ist heute so groß, daß nicht nur die Sorge um den Bestand des Geschaffenen, sondern auch der Wille, alles Menschenmögliche für die Sicherheit und Entwicklungsfähigkeit des Palästinawerks zu tun, Gemeingut der gesamten Judenheit sein müssen. Anderseits aber hat sich tatsächlich gerade in dem Zeitpunkt, in dem das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Juden und Arabern sich entscheidend umgestalten wollte, der arabische Widerstand auf das Äußerste verstärkt und findet die Unterstützung der Araber, ja auch wichtiger nicht-arabischer mohammedanischer Gruppen außerhalb Palästinas. Dieser Widerstand ist so stark, daß auch und gerade England zwar 406