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Der Morgen · 1938-01-01 · Heft 10 (Januar 1938) · p. 405

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 10 (Januar 1938)
Article
Am Wendepunkt
Date
1938-01-01
Page
405 (sequence 1)
Language
German
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Arthur Prinz: Am Wendepunkt i. Kurz nach den schweren Unruhen, deren Schauplatz Palästina im Spätsommer 1929 war, erschien in der „Zeitschrift für Politik" ein umfangreicher Aufsatz über „Das Schicksal Palästinas und die Krise des Zionismus". Wer diese Arbeit von Adolf Grabowsky, einem damaligen Dozenten an der Hochschule für Politik, heute liest, wird zwar oft den Eindruck haben, daß das Ressentiment des getauften Juden den Verfasser bei allem Streben nach wissenschaftlicher Objektivität gegen wertvollste Kräfte des Zionismus blind gemacht hat. Vor allem aber wird der heutige Leser erschüttert sein, mit welcher Klarheit hier bereits die entscheidenden politischen Probleme des Zionismus gesehen sind. Angesichts der rasch wachsenden und von verschiedenen weltpolitischen Umständen begünstigten arabischen Nationalbewegung, so führt Grabowsky aus, hätte die zionistische Führung erkennen müssen, daß sie vor eine Alternative gestellt sei: entweder eine wirkliche Versöhnungspolitik zu treiben, welche die Rechte der Araber auf das Land in vollem Umfang anerkannt und sich nur bestimmte Minderheitenrechte vorbehalten hätte, oder aber sich mit aller Kraft auf den Kampf um die Macht über Palästina einzustellen. Die Versöhnungspolitik hätte freilich den politischen Zionismus „von vornherein in der Wurzel geknickt", da von einem jüdischen Staat dann natürlich nie hätte die Rede sein können; aber sie hätte wenigstens friedliche Verhältnisse im Lande garantiert. Der andere Weg hätte nicht unbedingt zu schweren blutigen Kämpfen führen, wohl aber die Bereitschaft auch zur bewaffneten Auseinandersetzung einschließen müssen. Dies wäre der Weg von Menschen mit geschichtlichem Verständnis und politischem Wirklichkeitssinn gewesen, von Menschen, die wußten, „daß ein zu 80% arabisches Land wie das heutige Palästina niemals durch Verhandlungen mit den Arabern gewonnen werden kann, durch Ausgleich . . . mit dem arabischen Volke, niemals auch durch Schildknappendienste, die man den Engländern leistet, sondern allein durch Eroberung, die gerade dann nicht gewaltsam zu sein braucht, wenn der Jude von vornherein mit dem Anspruch, das Herrenvolk zu sein, auftritt, die aber auch vor Blut und Opfern nicht zurückscheuen darf". Eine derartige Politik mußte nach Grabowsky allerdings gerade bei Juden, die seit Jahrtausenden nicht mehr aktiv Geschichte gestaltet hatten, ungeheure psychologische Widerstände finden, und so suchte die Masse 405

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