Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1937)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-12-01
- Page
- 395 (sequence 2)
- Language
- German
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taten des 17. Jahrhunderts und füi die andere der Kulturkampf sein." Die Quellen lassen in der Bickermannschen Deutung klar erkennen, daß das Eingreifen der Seleuciden keine prinzipielle Verfolgung des jüdischen Glaubens war, denn es „traf nur das 'Ethnos' der Juden, Jerusalem und Juda, d.h. das Gebiet, das dem Hohepriester von Zion unterstellt war". Die Juden der Diaspora und die in den griechischen Städten Palästinas waren nicht davon betroffen. Die dem König getreuen Hohepriester Jason und Menelaos unterstützten die Tendenz der Angleichung der freidenkenden Juden an das Leben der Griechen; auf ihr Betreiben wurden die griechischen Staats- und Lebensformen eingeführt. Der Tempel und der jüdische Gott bestanden weiter. Es kam zu einer „Symbose von Palästra und Tempel", bei welcher der jüdische Gottesdienst keineswegs gräzisiert wurde. Das Wesentliche war: „der neue Gottesdienst war völlig ungriechisch, er behielt die Anbetung des Judengottes bei, dieser wurde aber in der Art seiner Offenbarung und in der Form seiner Verehrung den Gottheiten der Nachbarn, der Syrer und Araber gleichgesetzt". Mit der Gruppe der „Antiochener", freier griechisch gebildeter aufgeklärter Juden, begann es, und das immer weitere Eingreifen in die Religion, an dem die seleucidischen Herrscher sicher nicht sehr interessiert waren, war die Folge. Das Gesetz des Moses — so ergab die vergleichende Religionswissenschaft der Griechen — war Menschen werk und daher absetzbar und unveränderlich. „Wie seinerzeit Esra aufgrund der Vollmacht des Artaxerxes das Gesetz eingeführt hatte, so wurde jetzt die Aufhebung durch einen Erlaß des Antiochos IV. befohlen." Beide Male waren königliche Gesetze maßgebend, und die „Abtrünnigen" waren nichts als „Loyalisten": sie folgten den Gesetzen und handelten nach den Verordnungen des Staates. Ihnen stellten sich die streng an der Überlieferung festhaltenden Makkabäer entgegen. Die Abkehr vom Monotheismus unter prinzipieller Beibehaltung des jüdischen Gottes war ihnen schlimmer als voller Abfall. Nicht gegen das Heidentum, nicht gegen die Griechen ging der Kampf; die Reformer im Innern waren die Feinde, welche den Untergang des Judentums herbeizuführen schienen. „Die makkabäische Erhebung war vor allem ein Bürgerkrieg, ein Religionskampf zwischen Orthodoxen und Reformisten." Jason und Menelaos wollten keine Absonderung, sie waren Aufklärer und Freigeister, und ihr Eifer trieb sie weit über das Maß dessen hinaus, was ein fremder Herrscher selbst verordnet hätte. Die Rebellen aber führten im offenen Aufstand gegen die königlichen Verordnungen und die Gesetze des Staates das Volk (über dessen Rolle wir bei Bickermann wenig hören) zurück im Glauben an die Einzigkeit Gottes und im Eifer für das am Sinai gebotene, durch Mose überlieferte Gesetz. Die Darlegungen Bickermanns, die wir nur kurz skizzieren konnten, werden durch eine Reihe von Beilagen unterbaut, in denen die Quellen, die Chronologie, Teile des Daniel-Buches und die Urkunden besprochen werden. Ein Buch voll 395