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Der Morgen · 1937-12-01 · Heft 9 (Dezember 1937) · p. 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 9 (Dezember 1937)
Article
Aussprache zum Thema: "Ende der Bünde"
Date
1937-12-01
Page
386 (sequence 10)
Language
German
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Günter Friedländer Durch Jugendpflege wird man die Jugendbewegung niemals ersetzen können. Alle die von Günter Friedländer erwähnten, heute bereits angewandten Hilfsmittel in der Erziehung werden wirkungslos bleiben, wenn sie von oben her „jugendpflegerisch" gebraucht werden und nicht als eine gemeinsame Arbeit aus den Kreisen der Jugend selbst kommen. Denn Jugend kann und wird sich nur immer selber führen. Nicht mit Hilfe von Zirkeln und Kursen sind die schöpferischen Kräfte zu erwecken, die junge Menschen zu den Leistungen befähigten, die sie in gemeinsamer Arbeit zum Aufbau unseres Landes vollbracht haben. Unsere Bünde hier haben die Genugtuung und Gewißheit, an diesem Werke in starkem Maße beteiligt zu sein. Gunter Friedländer antwortet: Der Aufsatz „Das Ende der Bünde" ist in einer Hinsicht gründlich mißverstanden worden: es ging in ihm nicht um eine Darstellung der Jugendbewegung als eines Einzelbezirks jüdischen Lebens in Deutschland, sondern um die Darstellung ihrer Bedeutung für die Gesamtheit der judischen Jugend. Es ist klar, daß für die Bünde ihr Ende erst dann gekommen sein wird, wenn der letzte ihrer Menschen sie verlassen hat. Das wird für absehbare Zeit praktisch nicht geschehen, und deshalb kann auch in diesem Sinne von einem Ende der Bünde nicht gesprochen werden. Aber so war auch dieses Wort nicht gemeint. Wenn hingegen die Bünde sich als einen Erziehungsfaktor der jüdischen Jugend betrachten, wenn sie bedenken, daß sie vor nicht langer Zeit sogar den Totalitätsanspruch für die Erziehung jüdischer Jugend stellten, wenn sie sich erinnern, daß man ihren Anspruch weitgehend anzuerkennen begann, wenn sie sich das ungeheure Ansteigen ihrer Bedeutung in den Jahren bis 1935 vergegenwärtigen und dies alles mit dem heutigen Stand vergleichen, dann müssen sie folgende Ergebnisse feststellen: Von einem Totalitätsanspruch der Bünde ist nirgends mehr die Rede; wäre von ihm noch die Rede, so wäre niemand mehr bereit, den Anspruch anzuerkennen; die Bedeutung der Bünde für die Gesamtheit der jüdischen Jugend bietet ihm keinerlei Grundlagen mehr. Um den letzten Umstand noch einmal zu erhellen, sei kurz noch einiges zu den Zahlen bemerkt. Sowohl Heinz Gochsheimer wie auch Hardi Swarsensky bestreiten einen nennenswerten Rückgang der Jugendbewegung. Sie meinen, daß der Mitgliederbestand gegenüber dem Höchststand um nur l»/o zurückgegangen sei. Trotzdem spricht Gochsheimer von nur 20—25 000 organisierten Jugendlichen, während der in diesem Jahr erschienene Bericht des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände auf Seite 56 noch 45—50 000 Organisierte angibt. Aus diesen Ziffern ist auf einen Rückgang von 50°/o zu 386

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