Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1937)
- Article
- Aussprache zum Thema: "Ende der Bünde"
- Date
- 1937-12-01
- Page
- 385 (sequence 9)
- Language
- German
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Aussprache zum Thema: „Ende der Bände" zu halten. Bei verschiedenen Bünden dürfte jedoch in absehbarer Zeit damit zu rechnen sein, daß eine neue Generation geeigneter und gutausgebildeter Führer für die praktische Erziehungsarbeit eingesetzt werden kann. Wenn dies gelingt, werden die Bünde wieder in der Lage sein, neue Menschen in erheblichem Umfang aufzunehmen. II. Im zweiten Teil seiner Ausführungen behauptet Günter Friedländer, daß die Probleme jüdischer Jugendlicher auf einen Hauptnenner zu bringen seien. Er sieht in dem Gefühl der Heimatlosigkeit die Ursache aller Schwierigkeiten, denen heute die jüdische Jugend begegnet. Bei der Begründung dieser Behauptung kommt Günter Friedländer sogar zu der Erklärung: „Nirgends der Versuch, ein Land für sich zu entdecken, in dem man wieder einmal zu Hause sein wird." Die zionistische Jugendbewegung, die bereits vor dem Umbruch viele Hunderte jüdischer Jugendlicher erfaßte, hat in den vergangenen vier und fünf Jahren Tausende junger zukunftsfreudiger Menschen nach Erez Jisrael gebracht. Diese Jugend hat in dem Bewußtsein, ihre alte und doch neue Heimat zu finden, sich auch im Lande bereits gut eingeordnet. Immer noch bereiten sich Tausende jüdischer Jugendlicher in den Bünden für ein Leben in Erez Jisrael vor. Das stärkste Erlebnis ihrer Jugend ist gerade das Gefühl der inneren Verbundenheit mit dem jüdischen Volke und dem jüdischen Lande. Die überwiegende Mehrheit all dieser jungen Menschen geht den schweren Weg in ein Leben der Arbeit nach Erez Jisrael, obwohl allen bekannt ist, daß das Letzte an seelischer und körperlicher Kraft von ihnen verlangt werden wird, und obwohl sie mitunter die Möglichkeit haben, leichtere Wege zu beschreiten. Es ist unverständlich, daß Günter Friedländer all dieses unbekannt geblieben ist. Er begnügt sich mit der Feststellung, die jüdische Jugend sei heimatlos. Natürlich kann er selbst keinen Weg aufzeigen, wie man der Jugend das Heimatgefühl geben kann. Übrigens sind die von ihm erwähnten Möglichkeiten einer zusätzlichen Jugendpflege- und Erziehungsarbeit bereits verwirklicht. Es gibt Gesellschafts- und Arbeitsräume bei den jüdischen Gemeinden; Lesestuben und Bibliotheken sind an vielen Orten zur Verfügung gestellt; Vorlesungen in Lehrhäusern und Kulturbund- Veranstaltungen werden für die Jugend abgehalten. Gewiß kann in dieser Hinsicht noch vieles getan werden. Soll aber durch solche Veranstaltungen das als Grundübel der heutigen Situation unserer jüdischen Jugend erkannte Gefühl der Heimatlosigkeit gebannt oder überwunden werden? 385