Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Meyer Isler
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bertha Badt-Strauß: Meyer hier. Ein jüdisches Gelehrtenleben liehen Gleichberechtigung der Juden in Deutschland, zur Seite stehen sollten. Damals wurde Rießers Organ „Der Jude" gegründet, an dem Isler von Anfang an als Berater, Mitherausgeber und Mitarbeiter eifrig tätig war. In den Briefen an Zunz lassen sich alle Phasen dieser Unternehmung verfolgen. Ursprünglich hatte Isler gewünscht, - Zunz selbst solle diese Stelle einnehmen, und dieser nahm starken Anteil an dem Plan auch als diese Aussicht scheiterte. Am 20. August 1831 schrieb Zunz aus Berlin: Sehr geehrter Freund! . . Wenn die Polen in Wilna, die Cholera in Lissabon, Rotsdiild mein Freund und Ancillon auf dem Himalaya wäre, so ginge es hier und mir vortrefflich; da dies aber nicht der Fall ist, so muß man sich in Geduld fassen, die Bücher, die man nicht hat, leihen, das Geld, das man nicht hat, ignorieren und sich im Uebrigen damit trösten, daß Alles eitel ist. .. Ich wünschte sehr, daß eine Zeitschrift für jüdische Angelegenheiten zu Stande komme, aber sie muß das wahrhafte Interesse der Gegenwart vertreten, sich keiner bestimmten Secte in die Arme werfen, das Christein und alles Anstößige vermeiden, ohne in rein wissenschaftlichen Abhandlungen die Wahrheit aufzuopfern, von wirklicher Liebe für die Juden und das ächte Staatswohl erfüllt seyn. An Mitarbeitern müßte sie beredte Federn, Kenner des Judenthums, fleißige Sammler von Datis, Correspondenten aus vielen Ländern und einige, aber nur gute Dichter haben. Sie sollte pünktlich in den versprochenen Terminen erscheinen, die Mitarbeiter bezahlen und zuvörderst auf Subskription, aber sogleich bei einem ordentlichen Verleger erscheinen. Sie darf keine Predigten, Rätsel und Notizen ä la Sulamith, ferner keine schon gedruckten Sachen, Schulpläne von Privatleuten, unnöthige Angriffe auf das Christenthum geben, aber dafür eine fleißige Uebersidit der widitigeren. in das jüdische Fach einschlagenden Schriften. An der Spitze sollte eine aus drei Mitgliedern bestehende Commission tüchtiger Männer stehen. Sie nehme nichts auf, was sie nicht wirklich gelesen hat und enthalte sich aller Prahlereien. Was ich hier sage, ist großentheils aus eigner Erfahrung geschöpft, und zum Gedeihen der Sache möchte ich, daß sich davon manches bei dem besprochenen Unternehmen bewähre. Sobald meine Muße etwas freier seyn wird, werde ich auch an jene Zeitschrift denken, wofern die Sache nicht schon wieder aufgegeben ist. Noch muß ich bemerken, daß ein Unternehmen dieser Art Geduld, Ausdauer, Umsicht, Beistand, Geld und — Glück erheischt. Mögen Sie selbst etwas Tüchtiges für unsetn gemeinsamen Zweck leisten — Zu den ersten Jahrgängen des „Juden" hat Isler eine längere Anzeige von Zunz' „Gottesdienstlichen Vorträgen" und Aufsätze „Über Jüdisches Schulwesen" beigesteuert, eine klar und warm geschriebene Verteidigung der jüdischen Schule gegen die „Gebildeten unter ihren Verächtern" und Darlegung ihrer Notwendigkeit für die jüdische Erziehung. Die Zeitschrift wurde schon 1833 umgewandelt; auch Isler hat seine Aufsätze über das jüdische Schulwesen nicht fortgeführt. Aber diese Jahre gemeinsamer Arbeit befähigten ihn nach Rießers vorzeitigem Tode vor andern dazu, die erste, heute noch wertvolle und besonders durch ihre Brief beigaben unschätzbare Biographie Gabriel Rießers zu schreiben. Die gleiche selbstlose und treue Pietät widmete er seinem Lehrer Niebuhr, dessen Bonner Vorlesungen er nach mühsam zusammengesuchten Nachschriften der Schüler herausgab. 342