Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Meyer Isler
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Meyer Isler. Ein jüdisches Gelehrtenleben „ehrenvoll bestanden"; anschaulich schildern die Erinnerungen die Prüfung durch Boeckh und durch Hegel. Nun galt es den Übergang vom Studium ins Berufsleben zu finden; hier ist wohl die Krisenzeit in Islers scheinbar so stillem Leben. Vielfachen Lockungen sah er sich ausgesetzt: hier zog es ihn zu einem rein wissenschaftlichen Forschen, wozu ihn seine Lehrer ermutigten und wo ihm wohl Zunz7 Vorbild vorschwebte; dort wartete der Vater, dessen Schüler geringer an Zahl geworden waren und der sich von der Teilnahme des Sohnes ein neues Aufblühen der Schule versprach; endlich lockte die eigne, seit der Kinderzeit bewahrte Vorliebe zu einer bibliothekarischen Tätigkeit. Die ersten Briefe an Zunz und den Vetter Philipp Ehrenberg verraten, daß .dem jungen Doktor die Wahl nicht leicht fiel. Er schildert den Freunden, wie himmelweit seine neue Lage von dem unbesorgten Leben des Studenten verschieden sei: vormittags und einen Teil des Nachmittags in der Schule des Vaters, daneben vielfache Privatstunden; schon jetzt merkt man das Ungenügen an diesem verwirrenden und vielfältigen Leben, das ihm zu wissenschaftlicher Tätigkeit kaum mehr Raum läßt. Bitterer noch klingen die Briefe an den Vetter: er sei „so hineingezogen in diesen Pfuhl, daß er sein Leben lang nicht heraus kommen werde" — die geringste Stelle, sofern sie ihn nur ernähren könne und ihm einen angemessenen Wirkungskreis böte, wolle er annehmen. „Aber ein Jude, ohne Bekanntschaft, ohne Namen — was kann der erwarten?" Allmählich gelingt es seiner besonnenen Art doch, in der Stille wenigstens einige von seinen Jugendträumen zu verwirklichen. Nachdem er 1843 noch das 50. Jubiläum der Schule mit dem Vater gefeiert hat, setzt er 1844 endlich seine längst befestigte Erkenntnis beim Vater durch: die Schule, deren Schülerzahl sich dauernd verringerte, wird geschlossen. Dafür muß er nun anderweitig die Eltern ernähren. Schon seit 1832 hat er die ersehnte Arbeit an der Stadtbibliothek aufgenommen, erst als elend bezahlter „Registrator", dann allmählich aufsteigend, bis er 1872 zu ihrem Direktor berufen wird. Aber bis in die letzten Jahre seines langen Lebens hat er neben der Bibliothekstätigkeit die pädagogische Arbeit — vielleicht vorwiegend aus materiellen Gründen — nicht aufgegeben. Neben diesen beiden Arbeitsgebieten zeigte sich" schon im Anfang der Dreißiger Jahre ein drittes: eine bescheidene Helfertätigkeit, die aber zur wertvollsten Arbeit seines stillen Lebens führen sollte. Sein Landsmann und Altersgenosse Gabriel Rießer — „den Besten von uns" nennt er ihn in einem~Briefe an Zunz — suchte nach den ersten Enttäuschungen Mitarbeiter, die ihm bei der Verfechtung seines Lebensziels, der Erringung der bürger- 341