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Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 343

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Meyer Isler
Date
1937-11-01
Page
343 (sequence 7)
Language
German
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Leo Hirsch: Constantin Brunner und seine Zeitgenossen In seinen jungen Jahren hatte Isler scherzhaft die Ehe abgeschworen, solange man nach dem Verbot des Rabbenu Gerschom nicht mehr als eine Frau heiraten könne. 1839 fand er die Lebensgefährtin in Emma Meyer aus Dessau, einer begabten Frau und „fanatischen Jüdin", wie sie selbst sagte. Eine lange Reihe von Briefbänden an die einzige Tochter geben ein anschauliches Bild des Gelehrtenhauses in Hamburg, das an allen geistigen Bewegungen der Zeit eifrig teilnahm, ohne jedoch den festen jüdischen Wurzelboden zu verlieren. Isler hat in seinen späteren Jahren noch mancherlei klassisch-philologische und jüdische Einzeluntersuchungen geliefert; so ging er etwa den Anfängen der Hamburger Gemeindegeschichte nach oder suchte den sefardischen Juden Rodrigo de Castro von dem Vorwurfe des Glaubenswechsels zu retten. Mit Vorliebe nimmt er zur Frage einer Jüdischen Fakultät das Wort, und auch als es sich um die Gründung der Hochschule des Judentums in Berlin handelt, wird sein klares Urteil zu Rate gezogen. Manche von seinen Äußerungen über die Zeitereignisse sind in ihrer klugen, wenn auch etwas kühlen Klarheit merkwürdig genug, in einer Biographie ausführlich wiedergegeben zu werden. Der bescheidene Mann, der nach seinem eigenen Urteil selbst immer etwas abseits stand und dennoch ein klarblickender Zeuge seiner bewegten Zeit gewesen ist, hätte sie wahrlich verdient. Leo Hirsch: Constantin Brunner und seine Zeitgenossen Es gab in Palästina gelegentlich gerichtliche Schauspiele, die mit großem Ernst und Aufwand betrieben wurden, z. B. ein Gericht über Shylock. Wir stellen uns jetzt ein solches Gericht über den kürzlich verstorbenen Constantin Brunner vor. Die Frage soll sein: ist Brunner ein jüdischer Philosoph, und soll er in ein jüdisches Pantheon aufgenommen werden? Wir können uns solch ein Gericht nicht ohne Brunner vorstellen, wir sehen ihn, wie immer, abseits stehen und lachen, lachen, daß sich die Balken biegen. Aber das hindert den Vorsitzenden, den Ankläger, die Zeugen und den Verteidiger, ja das ganze jüdische Publikum nicht, desto ernsthafter zu sein. Also eröffnet der Vorsitzende feierlich die Verhandlung und sagt einiges Allgemeine über das jüdische Pantheon, das dermaleinst alle unsere Großen vereinen und aus allen Sprachen und Literaturen und Wissenschaften und Künsten heimholen soll. Die Heimholung sei ein Lieblingsgedanke unserer kulturellen Renaissance seit Jahren und werde auch schon zur Wirklichkeit im Bewußtsein des Volkes. 343

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