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Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 340

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Meyer Isler
Date
1937-11-01
Page
340 (sequence 4)
Language
German
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Bertha Badt-Strauß der ganzen Zeit seines Studiums „von seiner Nation entfernen und nur unter Christen leben" wolle, „dann bin ich überzeugt, Du kehrst nie wieder zu uns zurück und wir haben Dich auf ewig verloren. Sieh, welche traurige Ahnung uns beunruhigt- Rasch wird der Zwiespalt beseitigt, wie die Familien-Tradition berichtet, durch ein scheinbares Nachgeben des Sohnes, der freilich auch später nicht zur jüdischen Tradition zurückkehrte: in einem Briefe aus dem Jahre 1870 an seine Tochter Softe bedauert er, daß die Feier des Sederabends sich „nicht bis zu ihren Zeiten erhalten" habe. Aber die tiefere Sorge des Vaters, der Sohn könne, wie so viele seiner Zeitgenossen, den Eintritt in die europäische Kultur mit seinem Judentum bezahlen, erwies sich bei diesem gradlinig sich entwickelnden Menschen als unberechtigt. Er hätte in jenen frühen Jahren an Stelle von Ernst Curtius nach Athen gehen können, wenn er, wie in der Familie erzählt wird, den Glauben der Väter aufgegeben hätte. Doch folgte er dem Rufe des Vaters und verzichtete zugleich auf die lockende Ferne und die akademischen Aussichten, die sich ihm zu bieten schienen. Zunächst aber geht er von Bonn nach Berlin, vollendet dort sein Studium und erweitert den Kreis seiner Förderer und Freunde durch den Verkehr mit Jost und Zunz. Während dem arbeitsamen Studenten an dem Arbeitskünstler Jost besonders dessen Tagesplan bewundernswert erscheint — früh von 4—8 Uhr am Schreibtisch, dann tagsüber Lehrer an öffentlichen Schulen, abends Geselligkeit —, empfängt er unvergeßliche Eindrücke durch die berühmten „Sonnabend-Abende", wie er sie nennt (die wohl eher Freitag-Abende waren) im gastlichen Hause von Leopold Zunz, wo er Gestalten wie Heines Freund Moser, Ferdinand und Agathon Benary, Joseph Lehmann, den Mitredakteur der Preußischen Staatszeitung, und den unglücklichen Daniel Leßmann kennen lernt; der Höhepunkt dieser Geselligkeit, als Heine und Gans dort verkehrten, war freilich schon vorüber und „Zunz gewöhnlich der interessanteste Mann im Kreise". Zunz selbst fand, wie einer seiner Biographen sagt, in dem jungen Isler den kongenialsten unter den Freunden dieser Jahre. Das geht aus dem Briefwechsel beider hervor, in welchem in bunter Folge wissenschaftliche Anliegen mit persönlichen Erörterungen abwechseln; vielfach betreffen sie Islers Vermittlung neuer Stellungen für Zunz, den schwer um seine Existenz kämpfenden Gelehrten. Auch in diesem Briefwechsel erscheint Adelheid Zunz in der ganzen Anmut ihres Wesens als die ideale Hausfrau des Gelehrten, die mitfühlend an seinen Bestrebungen teilnimmt und den Schülern und Freunden ein gastliches Haus und warmes Verstehen offenhält. Im Sommer 1830 kann der Doktorand den harrenden Eltern melden, er habe mit einer Hesiod-Arbeit promoviert und das Examen 340

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