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Der Morgen · 1937-11-01 · Heft 8 (November 1937) · p. 338

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Journal
Der Morgen
Volume
13 (1937-1938)
Issue
Heft 8 (November 1937)
Article
Meyer Isler
Date
1937-11-01
Page
338 (sequence 2)
Language
German
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Bertha Badt-Strauß kommnen und zugleich als Hauslehrer sein Brot zu verdienen. Anschaulich erzählt der Sohn in seiner Lebensgeschichte, wie sein Vater durch Abschreiben von ganzen Lehrbüchern sich neue Sprachen aneignet und bisweilen Schüler und Lehrer zugleich ist: die ihm anvertrauten Kinder lehrt er Hebräisch, mit ihnen zusammen lernt er bei ihrem Lehrer deutsche Grammatik und Französisch. Kraft dieses unermüdlichen Selbststudiums war Israel Abraham 1793 so weit, in Hamburg eine Schule gründen zu können. Mit vier Kindern fing er „in der Peterstraße auf einem Gange" an; aber er war stolz darauf, daß diese Schule eine der frühesten jüdischen Unterrichtsanstalten war, wo außer den religiösen Fächern auch freies Wissen gelehrt wurde. Freilich fehlte es an geeigneten Lehrern; es war gut, daß Israel Abraham das meiste selbst unterrichten konnte. Seine Frau, die lebhafte und mütterliche Gütchen Meyer aus Braunschweig, mußte zuerst eine Zeitlang durch ein Putzgeschäft .mitverdienen; als später die Schule sich sehr vergrößert hatte, bot sie den jüdischen Jungen aus der weiten Umgegend, die sie als Pensionäre aufnahm, ein behagliches Heim und mütterliche Fürsorge. Der kleine Meyer wurde am 14.12.1807 (13. Kislew 5568) geboren und besuchte nach der Mädchenschule der Madame Süß sogleich die Schule seines Vaters. Seine Kinderjahre umschließen die wechselvollste Zeit in der Geschichte der Hamburger Gemeinde: 1811 wird die Stadt französisch, die Juden werden als gleichberechtigte Bürger anerkannt und erhalten ihre „Bürgerkarte". 1813 blockieren die Russen die Stadt, und in den folgenden Jahren werden die unglückseligen Hamburger zwischen Franzosen, Russen und Dänen hin und hergeworfen. Trotz der großen Not bleiben die Eltern Isler in Hamburg und führen die Schule mit 16 Schülern weiter, die zum Teil selbst mit unterrichten müssen. Typhus und Hungersnot vermehren die Sorgen. Mit Begeisterung sieht man die weiße Fahne am Michaeliskirchturm: Friede! — und jubelnd begrüßt man die rückkehrenden Russen. Aber die alte Verfassung macht aus den Juden wieder fast Rechtlose, die kein Handwerk betreiben und kein Haus bauen dürfen. In allen diesen Wirren fährt der Kleine fleißig fort, des Vaters Schule zu besuchen, und lernt daneben wie üblich Französisch bei einem Emigranten und Englisch bei einem Engländer, der auch an den musikalischen Veranstaltungen im väterlichen Hause teilnimmt. Wenn er erzählt, daß er als Kind keinen Sport und kein Turnen, wohl aber Tanzen bei der Mamsell Pincus trieb und darin versagte, weil ihm beim Walzer regelmäßig schwindlig wurde, dann meinen wir das blasse, eifrige Kerlchen vor uns zu sehen. 1821 kommt er in die Tertia des Gymnasiums, des berühmten Johanneums, wo er unter den Mitschülern den Lebens- 338

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