Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 13 (1937-1938)
- Issue
- Heft 8 (November 1937)
- Article
- Das Ende der Bünde
- Date
- 1937-11-01
- Page
- 335 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Ende der Bände II: Der Aufbau der Jugend vor der Judenheit in Deutschland mit sich ins Leben hinaus nimmt? Was also ist zu tun? Es ist schon viel gewonnen, wenn die Aufgabe nur überall in ihrem ganzen Umfang ins Auge gefaßt wird. Denn fast überall handelt es sich um den vergleichsweise kleinen Unterschied zwischen dem, was als äußerlich notwendig auch jetzt schon geleistet wird, und dem, was not tut. Wie die jüdische Schule zusammen mit dem Stoff, den sie vermittelt, ihren jungen Menschen Sicherheit geben, wie sie den Blick aus der Enge in die Weite lenken kann, ist am Lehrplan kaum aufzuzeigen; wenn sie es will, wird sie es können. Die Freizeitfrage wäre durch die Wiedereinführung von Nachmittagsstunden rasch ihrer Schärfe entkleidet; und sollte das selbst nicht möglich sein, so können Arbeitsgemeinschaften an ihre Stelle treten. Der Unterricht muß zwangsläufig auf das praktisch Verwendbare zugeschnitten werden; Bildung aber entsteht nur aus der selbstlosen und zweckfreien Beschäftigung mit einem Stoff, sei es eine Wissenschaft, ein Kunstgebiet oder der gute alte Schulgarten. Wäre dadurch auch nur zu erreichen, daß die Jungen neben ihrer ebenfalls notwendig einseitigen Berufsbildung ein Lieblingsgebiet, ein „Steckenpferd" gewinnen, so gäbe allein das ihnen mehr Frische und Mut. Erforderlich dafür sind außer Schulbibliotheken (die es noch nicht überall gibt) und Lehrmitteln nur geheizte und beleuchtete Arbeitsräume, in denen die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen können. Lesestuben und Arbeitsräume der Gemeindebibliotheken müßten sich mit ihren Öffnungszeiten solchen Bedürfnissen anpassen. Auch die Ausstattung der Lesesäle entspricht nicht immer einer Erziehung zur Ordnung, zur Bequemlichkeit und zu jenem Sinn für schlichte Schönheit, den wir unsern Jungen und Mädeln wünschen. Eine wahre Fülle an Möglichkeiten bietet sich überall dort, wo zusätzliche Jugendpflege- und Erziehungsarbeit geleistet wird. Hier hat die Jugendbewegung die Genugtuung, viele ihrer Anregungen .zwar ohne sie, aber doch verwirklicht zu sehen. Hier wäre auch der gegebene Ansatzpunkt ihrer weiteren Arbeit. Die neu entstandenen Wohnheime haben eine große Anzahl jüdischer Jugendlicher untergebracht (vor drei Jahren noch ein Wunschtraum); doch diese Wohnheime halten meist nicht, was man sich von ihnen versprach. Sie ermöglichen — und das ist selbstverständlich schon viel — den Jugendlichen aus der kleinen Gemeinde ein billiges Leben in der Großgemeinde. Aber nur in geringem Maße wird der pädagogische Einfluß ausgenutzt, der hier möglich wäre. Ein Plan für Unterricht oder Arbeitsgemeinschaften ist rasch aufgestellt, geeignete Heimbibliotheken wären, wo es sie noch nicht gibt, sicherlich zu beschaffen. Es fehlt an geschulten Heimleitern; man müßte sie ausbilden. Man stelle sich nur vor, 335